Kampf um Zendikar

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Re: Kampf um Zendikar

Beitrag von Vindicator » Sa 29. Aug 2015, 16:31

Wir werden nicht kampflos untergehen! Irgendwann im November werden die Wulpetinger Zendikar beistehen!
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Re: Kampf um Zendikar

Beitrag von Vindicator » So 30. Aug 2015, 12:29

So genug der Legenden, Mären und Geschichten - es wird Zeit für etwas handfestes, damit auch alle wissen was da mit Oktober 2015 über uns drüber rollen wird ....

Dieses Wochenende läuft der Magic WorldCup auf Twitch uuuuuuund die Präsentation des ersten von drei bekannten Eldrazi Titanen. Bereit für einen Schock?
Spoiler:
:shock: Wirklich bereit? Und nicht vergessen Ulamog war bis jetzt der "kleinste" Eldrazi Titan....
Spoiler:
Ich habe dich gewarnt - also bitte ...
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Re: Kampf um Zendikar

Beitrag von Fabse » So 30. Aug 2015, 12:39

Hui top 20 cards is ne Ansage ^^
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WH 40k:
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Grey Knights
1 Imperialer Ritter
1 Warhound Titan
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Arya Freyasdottir - Elfische Rangerin

X-Wing:
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Re: Kampf um Zendikar

Beitrag von Vindicator » So 30. Aug 2015, 15:20

Ja, das ist ganz schön dicker Speck der da kommt - zum Glück gibt es aber nicht nur Eldrazi ....

Mehr oder minder nach wie vor live von der WMC auf der PAXEast die nächste Karte:

Zuvor stelle ich euch das "Original" vor:
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Omnath, Sammelpunkt des Manas ist 2010 in dem Block Worldwake erschienen. Er ist so zusagen ein Teil des Planeten Zendikar - und auch schon im Original "ballte er sich für den kommenden Sturm zusammen".
Persönlich finde ich ist eines der Highlights - wenn man einen schon bekannten Planeten wieder besucht - das Charaktere wieder kommen die man schon kennt. Meistens haben sie sich, im Vergleich zur ersten Begegnung verändert.

Ich präsentiere:
omnathlocusofrage.jpg
omnathlocusofrage.jpg (49.83 KiB) 2463 mal betrachtet
Fünf Jahre später wieder da, und offensichtlich ist er mehr als angepisst das die Eldrazi wieder rüber seinen Planeten herfallen. Auch nett, "Landfall" kehrt mit dem Block als Fähigkeit wieder zurück - dazu aber später mehr.

Zum Abschluss noch eine Karte:
hedronarchive.jpg
hedronarchive.jpg (44.47 KiB) 2463 mal betrachtet
Ob die jetzt wirklich spielbar ist kann ich erst beurteilen wenn der komplette Block da ist. Abgesehen davon ist diese Karte super Nice weil:
  • ein klitze klitze kleines Hedron das riesig großen Eldrazi gegenüberstehen wird im Artwork :lol:
  • auch Artwork: Jupp! Das ist Jace Beleren der das hält :!: - der bisher stärkste PW Jace ist auch im ersten Eldrazi Block erschienen.
  • Anektoden Text: Ein Dialog zwischen Jace und UGIN!!!!! - Yeeeess!
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Re: Kampf um Zendikar

Beitrag von Vindicator » Mo 31. Aug 2015, 00:39

Sehr geehrte Wulpertinger und Wulpertingerinnen, ich präsentiere, quasi live von der PAX East - den Battle for Zendikar Trailer:
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Re: Kampf um Zendikar

Beitrag von Vindicator » Mo 31. Aug 2015, 20:35

So, die PAX East ist für dieses Mal Geschichte und lasst euch sagen, da war ja so einiges dabei das mich beim Thema Battle for Zendikar jubeln lässt....

Zuerst ein kurzer Abriss....

Als wir Zendikar zuletzt bereisten, waren die gewaltigen Titanen der Eldrazi aus ihrem Kerker befreit worden und der Planeswalker Gideon Jura hatte sich auf den Weg gemacht, Hilfe zu holen.

Nun kehrt Gideon zurück und findet Zendikar am Rand der Vernichtung vor, denn der Titan Ulamog zerstört alles, was ihm im Weg steht.

Da Zendikars Schicksal am seidenen Faden hängt, schließt sich eine Gruppe Planeswalker den Bewohnern der Welt und dem Land selbst an, um sich dieser uralten Bedrohung zu stellen.
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JA - richtig gelesen, eine GRUPPE von Planeswalkern. Gideon Jura ist auch schon mal fix dabe, der Rest ist noch nicht veröffentlicht
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So das ist also Gideon, der Verbündete von Zendikar. Das nenn ich einmal einen Planeswalker, aggressiver geht kaum noch. Die Plus Fähigkeit macht in selbst zu einer 5/5 unzerstörbaren Kreatur. Passt nicht? Kein Problem Fähigkeit Nummer 2 gibt ohne plus/malus einen 2/2 Ritter. Aber der Hammer ist die Ultimate Fähigkeit, in Runde 4 kommt er mit genügend Markern ins Spiel um gleich geopfert werden zu können. Dafür erhält man ein Emblem mit dem eigenen Kreaturen dauerhaft +1/+1 bekommen - und Embleme können nicht verzaubert, entfernt oder sonstwas werden.

Voll illustrierte Standardländer. Ich habe ja gesagt, war auch nicht so wahnsinnig schwer darauf zu tippen, aber sie sind wieder da. Mit fünf der damals beliebtesten und zwanzig völlig neuen Illustrationen, gibt es also statt den Standard 4, dieses Mal 5 Versionen pro Standardland - und das in Full Art.
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Und dann gab es auch noch eine weiter großartige Ankündigung:

ZENDIKAR-EXPEDITIONEN

Zendikar-Expeditionen ist sozusagen ein Set im Set. Es wird aus 45 Karten bestehen. 25 kommen mit BfZ die anderen 20 dann im zweiten Teil im Frühjahr. Dieses Set wird nur aus Länderkarten bestehen.

Nur Länderkarten?

Jawohl, und zwar enthalten einige Booster dieses Sets eine ausgesprochen seltene Versionen einiger der bedeutendsten Länder in der Geschichte von Magic. Sie heißen Zendikar-Expeditionen und sind sowohl Premiumkarten als auch voll illustriert! Sie werden nur auf Englisch veröffentlicht, können aber in Boostern aller Sprachen auftauchen. Man kann damit rechnen, dass sie lediglich ein ganz klein wenig häufiger auftauchen als eine sagenhaft seltene Premiumkarte in diesem Set.

Diese Karten sind in Limited-Formaten wie Sealed-Deck und Draft zugelassen und dürfen nur in solchen Constructed-Formaten gespielt werden, in denen auch die aktuellen Auflagen legal sind.

Die ersten 25 Karten werden aus den 5 neuen Rare Karten von BfZ (ist bestätigt), den 10 Rare Länder Karten aus Ravnica (vermute ich da Steam Vents aus diesem Zyklus stammt) und den 5 Enemy Fetchlands aus dem Original Zendikar Block (vermute ich ebenfalls da Arid Mensa aus dem Zyklus stammt) bestehen. Bleiben also noch 5 weitere Karten - oder ein Zyklus an Rare Ländern offen.
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Das ist zwar schade weil man somit noch länger warten wird müssen um an die Enemy Fetch Lands zu humanen Preisen zu kommen, ist aber großartig weil sie in der Version grandios aussehen - außerdem gibt es ja eine kleine Chance das ... ;)

Neue Regeln, Keywords und Fähigkeiten sind an sich auch schon präsentiert worden, ich werde aber noch ein wenig warten bis mehr Karten in der Preview Week erschienen sind um sie euch vorzustellen. Erst dann kann ich auch gleich meine Einschätzung dazu abgeben wie komplex oder spielbar die einzelnen Mechaniken sein werden.
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Re: Kampf um Zendikar

Beitrag von Rotfuchs » Di 1. Sep 2015, 12:51

Fesche Länderkarten
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Re: Kampf um Zendikar

Beitrag von Judge Fredd » Sa 5. Sep 2015, 12:45

Weiter geht's. Während wir warten in den Kampf um Zendikar einsteigen zu dürfen, sind eine Hand voll Planeswalkern grad mitten drin.

Die Wallfahrt der Gläubigen


Gideon Jura brachte Jace Beleren nach Zendikar in der Hoffnung, der Gedankenmagier könnte das entschlüsseln, was die Gelehrten aus Seetor das „Rätsel der Leylinien“ nannten: das Geheimnis des Netzwerks aus steinernen Polyedern, die am Himmel Zendikars schweben. Die Polyeder sind eng mit den Eldrazi verbunden und dienen in diesem Zusammenhang als Köder und Fesseln und – wie die Gelehrten hoffen – auch als Waffen.

Doch da Seetor nun gefallen ist und die Aufzeichnungen der Gelehrten verloren sind, gibt es wohl nur einen einzigen Ort auf Zendikar, an dem Jace das finden kann, was er zur Lösung des Rätsels braucht . . . und nur einen, der gewillt ist, ihn dort hinzuführen.


Jace presste die Stirn gegen einen Polyeder und strich mit der Hand über dessen Runen. Das Gebilde ragte schief aus dem Gras hervor und war größtenteils von Erde bedeckt wie ein buckliger Eisberg aus Stein. Überall auf den felsigen Ebenen von hier bis zum Lager und von dort aus bis nach Seetor lagen die Kadaver getöteter Eldrazi wie gestrandete Quallen verstreut, die das Meer an Land gespült hatte.

Er spürte, dass sich jemand hinter ihm aus Richtung des Lagers näherte. „Jori En, nicht wahr?“ Er wandte sich zu ihr um.

„Und du bist Jace“, sagte die hochgewachsene Meerfrau, die passend für die Wildnis gekleidet war. Sie bewegte sich mit der Selbstsicherheit einer Wanderin, die ihr ganzes Leben lang Zendikar bereist hatte, doch sie hatte den angespannten, wachsamen Blick einer Person, die erst vor sehr kurzer Zeit zur Zeugin eines großen Unglücks geworden war. „Ich bin hier, um dir zu erzählen, was ich weiß.“

„Gut.“ Jace stieß mit dem Fuß einen toten Eldrazi an. Dessen fleischiges Gewebe nahm sofort schillernde Farben zwischen einem strahlenden Weißrot und dem tiefen Grün des Meeres an. Er blickte zu Jori En auf. „Die Menschen hier haben sie als Götter verehrt, nicht wahr?“

„Einige tun das noch immer. Ich kann es ihnen nicht verdenken.“

„Wir müssen dieses Übel an seiner Wurzel packen.“

Jori nickte. „Das ist es, was die Forscher in Seetor zu tun versuchten. Sie auszulöschen.“

„Mit dem Polyedernetzwerk.“

„Ja.“

„Und konntet ihr die Polyeder erfolgreich einsetzen?“

„Ich habe nur Teile ihrer Forschungen gesehen. Doch ich erzähle dir alles, woran ich mich erinnern kann.“

Jace richtete den Blick auf eine Stelle genau zwischen Joris Augen. „Ich habe eine bessere Idee, sofern du dafür aufgeschlossen bist.“

Jaces Bewusstsein durchstreifte Joris Geist, schwamm durch Bilder von Goblins, die kleine Polyeder an Stöcken befestigten, von Korkriegern, die ihre Gesichter mit Runen in Form der Polyeder bemalten, und von Forschern des Meervolks aus Seetor, die ihre Magie auf die Polyeder wirkten. Eine Erinnerung interessierte ihn ganz besonders: eine Gruppe von Zendikari, die von einer Menschenfrau angeführt wurde und die Magie der Polyeder dazu einsetzte, die Bewegungen der Eldrazikreaturen zu lenken. Das Rätsel der Leylinien. Diese Frau – Kendrin – hatte kurz vor einer entscheidenden Erkenntnis darüber gestanden, wie sich die Magie der Polyeder als Waffe gegen die Eldrazi nutzen ließ.

Unglücklicherweise sah Jace auch Joris Erinnerung daran, wie sie die Hand auf Kendrins Stirn gelegt hatte, als die Tote zu feinen Flocken fahlen Staubs zerfiel. Sie war im Massaker der Eldrazi umgekommen, ehe sie ihr Wissen hatte weitergeben können.

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Jace öffnete die Augen und holte bei seiner Rückkehr aus Joris Geist tief Luft, als würde er nach einem langen Tauchgang die Oberfläche eines Ozeans durchbrechen.

Jori hockte über ihm auf dem Polyeder und blickte zu ihm herunter. „Das war faszinierend“, sagte sie und grinste mit einem leichten Zucken ihres geschuppten Kiefers. „Ich konnte die zweite Präsenz in meinem Geist beinahe spüren.“

„Manchmal fühle ich, wenn jemand wahrnimmt, wie ich ihn gerade wahrnehme. Es ist, als würde ich einen kurzen Blick auf mein eigenes Spiegelbild erhaschen. Zumindest so ähnlich.“

„Du kennst nun also all meine dunklen Geheimnisse?“

„Ich weiß, dass Kendrin kurz vor einer Entdeckung stand.“ Doch Jace wusste auch, dass er das Rätsel, weswegen er hierhergebracht worden war, noch nicht würde lösen können. Er brauchte mehr – und er wusste, wohin er dafür gehen musste.

Bevor er das erklären konnte, erklangen hinter ihnen knirschende Schritte. „Hallo, Gideon“, sagte Jace.

Jace und Jori wandten sich um, um Gideon herannahen zu sehen. Sonnenstrahlen spiegelten sich in der Rüstung des Kriegers wie flüssiges Licht. „Bitte sag mir, dass dir ein entscheidender Durchbruch gelungen ist“, sagte Gideon unwirsch.

„Wir stehen kurz davor“, sagte Jace. „Wir müssen zum Auge gehen.“

Joris spreizte überrascht den Flossenkranz, der ihr Gesicht umspannte. „Das Auge von Ugin? Du willst bis nach Akoum gehen?“

„Es bildet das Zentrum des Polyedernetzerks. Dort werden wir unsere Antwort finden.“

„Nein“, sagte Gideon. „Auf keinen Fall. Wir haben gerade erst dieses Lager hier aufgeschlagen. Wir haben Verwundete. Wir können die Gruppe nicht aufteilen.“

„Das haben wir doch bereits“, sagte Jace. „Nissa hat uns heute Nacht verlassen.“

Gideon war bestürzt. „Was? Warum?“

„Ich habe nicht mit ihr gesprochen. Ich fing nur ihre oberflächlichen Gedanken ein, als sie fortging. Nach dem, was ich aus ihnen entnehmen konnte, hat sie eine Aufgabe, die ihr wichtig ist.“

„Wichtiger, als das Geheimnis der Polyeder zu entschlüsseln?“, fragte Jori bissig. „Wir sollten uns hier doch wohl dringend auf die Fragen konzentrieren, die über Leben und Tod entscheiden.“

„Das sehe ich ähnlich“, sagte Jace. „Komm mit uns, Gideon.“

„Ich konzentriere mich hier auf die Fragen, die über Leben und Tod entscheiden“, sagte Gideon eisig. „An diesem Ort hier geht es um Leben und Tod. In jedem einzelnen Augenblick. Ich ... Wir können uns keinen weiteren toten Flüchtling mehr leisten. Ich gehe hier nicht fort, um dich auf einer Reise quer durch diese Lande zu beschützen.“ Gideon nickte in Richtung der Meerfrau. „Du hast Joris Erkenntnisse. Könnt ihr das Rätsel nicht hier lösen? Gemeinsam?“

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„Ich weiß nur, was sie erreicht haben. Nicht, warum es geklappt hat“, sagte Jace. „Schau mal. Du übersiehst hier das große Ganze. Deswegen bin ich doch überhaupt hierhergekommen. Dann lass es mich also auch tun.“

„Wenn du das Lager verlässt, werden diese Leute sterben. Und du auch.“

Jace breitete die Arme aus und umfasste den gesamten Horizont. „Wenn ich nicht zum Auge gelange, dann wird jeder auf dieser Welt sterben.“

„Hast du jemals Dinge ... verändert?“, fragte Jori, die Zügel in der Hand. „Während du auf dieser Welt warst?“

Jace saß neben ihr auf einem kleinen Karren, der von einer einzelnen Hurda gezogen wurde. Das war das Beste, was die Überlebenden von Seetor entbehren konnten. Sie zogen vom Lager aus los – ohne Gideon.

Jace hielt inne. „Manchmal wird so etwas nötig.“

„Du hättest zum Beispiel meine Erinnerung an sie auslöschen können. An Kendrin. An ihren Tod.“

Jace dachte an Joris Hand, wie sie die Stirn der toten Frau berührte. Es fühlte sich wie seine eigene Hand und seine eigene Erinnerung an. Er spürte Kendrins Haut und wie sie schon viel zu kalt und zu brüchig und zu trocken war, als dass man sie noch hätte berühren wollen. „Das wolltest du nicht.“

„Aber du hättest es tun können.“

„Ja.“

„Woher weiß ich, dass du nichts anderes verändert hast?“, fragte Jori. Dann fügte sie hinzu: „Es gibt nichts, was du sagen könntest, um es zu beweisen, oder?“

„Ich habe schon oft zu hören bekommen, es sei nicht leicht, mit mir befreundet zu sein.“

„Hattest du darüber nachgedacht – du weißt schon –, seine Meinung zu ändern?“, fragte Jori. „Du hättest ihn dazu bringen können, an diese Aufgabe zu glauben, nicht wahr?“

Er hatte darüber nachgedacht, ja. Ein rascher Zauber, und er hätte Gideon davon „überzeugen“ können, sie zu begleiten. „Ich durchdenke jede Möglichkeit“, sagte Jace.

„Ich weiß nicht, ob ich so viel Selbstbeherrschung aufbringen könnte wie du“, sagte Jori. „Anscheinend gibt es immer Möglichkeiten, die er nie auch nur in Betracht ziehen würde.“

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„Er ist schwer umzustimmen – auf mehr als nur eine Weise. Das unterscheidet uns beide, nehme ich an.“

„Und doch hast du beschlossen, dich nicht in seine Gedanken einzumischen. Vielleicht seid ihr euch ähnlicher, als du meinst.“

Jace blickte über das Lasttier, das den Karren zog, zum Horizont. „Wären wir uns ähnlich, dann würde er die Bedeutung des Auges erkennen. Er hätte all seine Ressourcen zur Verfügung gestellt, um dafür Sorge zu tragen, dass wir die Polyeder verstehen. Er wäre hier bei uns.“

Jori ließ die Zügel schnalzen, während die Landschaft an ihnen vorüberzog. „Hast du dich je gefragt, was Ihr alles erreichen könntet, wenn es mehr von Eurer Sorte hier gäbe?“

Jace schüttelte den Gedanken an Gideon ab und gestattete sich ein Kichern. Er wirkte einen raschen Illusionszauber und drei weitere Jaces erschienen. Die Doppelgänger, die in ihren blauen Mänteln alle genau gleich aussahen, ließen sich in abstrusen Positionen auf dem Rücken der Hurda nieder. „Das fragen wir uns regelmäßig“, sagten sie gemeinsam, ehe sie wieder verschwanden.

Jori schenkte ihm ein skeptisches Lächeln und schüttelte den Kopf.

Tage vergingen, bis sie einem Eldrazi begegneten. Von Polyedern übersäte Wiesen ratterten an ihnen vorbei, während schroffe, steinerne Inseln am Himmel ihnen Schatten spendeten. Sie sprachen nur wenig, und Jace mühte sich darum, jene Teile des Rätsels zusammenzufügen, die er bereits kannte. Er versuchte, einen Grund zur Umkehr zu finden, einen Grund, warum ihr Wissen über die Polyeder bereits auch so schon ausreichte. Er war mit Seetor vermutlich sogar hinlänglich vertraut, dass er sicher dorthin hätte zurückreisen können, indem er einen Weg über eine andere Welt einschlug. Doch dann wäre Jori hier draußen gestrandet.

Als der Schwarm Eldrazi die Hügelkuppe erklomm und auf die beiden Reisenden zuhuschte, stand die Sonne hinter den Kreaturen. Das helle Licht wurde von ihren verwinkelten Gliedmaßen gebrochen und umflorte ihre scharfkantigen, leeren Gesichter.

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„Fahr schneller!“, sagte Jace.

Jori sah sie, doch es gab keinen Ort, um sich zu verstecken. „Wohin?“

„Egal wohin!“

Jori zerrte die Zügel schräg zu sich heran – zu schnell, zu heftig. Die Hurda protestierte schnaubend, warf ihr volles Gewicht in die genau entgegengesetzte Richtung und riss Jori die Zügel aus der Hand. Jace und Jori klammerten sich fest, als der Karren ausbrach und ins Kippen geriet. Irgendetwas knackte unten an den Rädern. Der Karren richtete sich wieder auf, wurde nun jedoch vom Willen der Hurda gelenkt.

„Neuer Plan!“, sagte Jace. „Halt an!“

„Bring du sie doch zum Anhalten!“

Bevor Jace erklären konnte, weshalb es töricht gewesen wäre, einen Versuch zu unternehmen, die Gedanken des Tieres zu beeinflussen, hämmerte die Hurda mit ihren Pranken auf den Boden. Sie verlagerte erneut ihr Gewicht, sodass sie nun geradewegs in Richtung der Horde näherkommender Eldrazi blickte.

Das ließ sie ruckartig anhalten. Jace und Jori wurden auf dem plötzlich bremsenden Karren durcheinandergewirbelt.

Als das Tier den herannahenden Schwarm sah, begann die Hurda, langsam rückwärts zu gehen. Sie stemmte sich gegen ihr Zaumzeug und drückte gegen den Karren. Dieser drohte erneut zu kippen, und irgendetwas Hölzernes an ihm zerbrach –

Eine Kor huschte an dem Karren vorbei. Sie schien wie aus dem Nichts aufgetaucht zu sein und hielt scharfe, geschwungene Greifhaken in den Händen. Sie sprang über das Zaumzeug auf den Rücken der Hurda und von dort zwischen das Lasttier und die herbeieilenden Eldrazi. Jace konnte erkennen, dass ihre Haut über und über mit Symbolen aus schwarzem Fett bedeckt war, die den Runen auf den Polyedern ähnelten.

Jori war misstrauisch. „Wo zum Teufel kommt die denn her?“

Die Kor sah zu Jace und Jori, und ohne den Blick abzuwenden, stieß sie einen der scharfen Haken in den Rücken der Hurda. Brüllend fiel das Tier zu Boden. Sie stand nur da und sah sie an, während Blut von ihrem Haken tropfte.

Jace blickte zu Jori und sah auf ihrem Gesicht, was er selbst gerade verspürte: höchste Beunruhigung.

„Kommt mit mir“, sagte die Frau barsch. „Schnell! Sie werden zuerst das Tier fressen.“

Und damit eilte sie an an ihnen vorbei auf einen flachen Hügel zu.

Jace und Jori sprangen von dem Karren herunter und rannten ihr nach. Jori griff sich eine Hellebarde und Jace ... nichts, wie immer. Die Kor verschwand hinter der Hügelkuppe und sie folgten ihr zum Rand einer engen Kluft.

Die Kor hatte bereits ihre Seile festgezurrt und ließ sich in die Erdspalte hinunter. „Hier runter! Schnell!“

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Jace blickte zurück. Ganz offenkundig wurde die Hurda von den Eldrazi bereits in Fetzen gerissen.

„Ich gehe mit ihr“, sagte Jori En. Sie schlang sich die Hellebarde an einem Riemen über die Schulter und ließ sich an den Seilen in den Abgrund hinunter.

Jace hatte bei der Sache acht oder neun eindeutig sehr schlechte Gefühle. Er griff nach einem der Seile und machte sich an den Abstieg. Ihn befiel der seltsame Gedanke, was wäre, wenn er Illusionen seiner selbst erschuf, die neben ihm in die Kluft hinunterkletterten. Er stellte sich vor, wie sie den Halt verloren und fielen, und aus irgendeinem Grund war diese Vorstellung sonderbar tröstlich. Besser sie als er.

Die Kor half ihm, vom Seil auf den Boden zu gelangen, während Jori sich den Staub von der Gewandung klopfte. „Ich bin Ayli“, sagte die Kor. „Wir müssen euch in das Heiligtum bringen. Schnell! Sputet euch bitte!“

Jace und Jori En wechselten einen weiteren Blick, der nichts anderem als einem resignierten Schulterzucken entsprach. Ayli huschte durch die enge Kluft davon, und sie folgten ihr. Sie quetschten sich durch schmale Stellen, wo die Wände teils die glatten Oberflächen großer Polyeder, teils nur nackter Fels waren. Sie versuchten, sich zu beeilen, was zunehmend schwieriger wurde, je tiefer sie in die Schatten hinabstiegen. Jace bemühte sich, dicht hinter Jori zu bleiben, während seine Gedanken um etwaige Rückzugsmöglichkeiten kreisten, als sie sich weiter und weiter von ihrem Karren entfernten.

Die Kluft weitete sich, und über ihnen wurde der Himmel sichtbar.

Jaces Blick glitt von Jori, die wie vom Donner gerührt angehalten hatte, über die Kor Ayli, die ganz ruhig und mit gefalteten Händen dastand, und über die breite Schneise, die in das Land vor ihnen gehauen worden und von feinem, weißen Staub bedeckt war, bis hinauf zu einem hoch aufragenden Schrecken: Der Titan ruhte auf einem wahren Meer sehniger Tentakel, eine Gottheit mit einem augenlosen Knochenschädel und gewaltigen, gegabelten Gliedmaßen.

Ulamog.

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Jede Bewegung fiel Jace unfassbar schwer. Die Luft selbst fühlte sich verkehrt an. Er spürte, wie ihn irgendetwas nach vorn zog, als hätte sich die Schwerkraft vom Boden wegverlagert und würde nun auf dieses Ding zustreben. Er fühlte sich wie ein winziger Krebs, der zum Maul eines Wals und damit unweigerlich zu seinen alles verschlingenden Barten gesogen wurde.

„Willkommen im Heiligtum, ihr Opfergaben“, sagte Ayli und hob die Arme. „In der Gegenwart des Gottes Mangeni, dessen zweiter Name Ula lautet und dessen Stimme das Lied des Verzehrens singt, sollt ihr zum letzten Mal einer Heiligkeit ansichtig werden.“

Jace wandte sich zum Rückzug, doch er und Jori waren eingekreist. Ein Dutzend weiterer Priester stand zwischen ihnen und dem Ausgang der Kluft. Sie waren alle gleich gekleidet und mit denselben Symbolen aus Fett bemalt wie Ayli. Und sie waren allesamt bewaffnet. Zwei von ihnen trugen lange, schwere Eisenketten.

„Wir sind die Ewigen Pilger“, intonierte Ayli. „Wir sollen für immer wandeln!“

„WIR SOLLEN FÜR IMMER WANDELN!“, fielen die anderen Priester ein.

„Wir reichen diese Weltengaben in Ulas Namen dar!“

„IN ULAS NAMEN!“

Ulamog streckte die massigen Tentakel aus, griff nach einem Flecken Erde und begann sich dann auf entsetzliche Weise daran vorwärtszuziehen. Das Geräusch seiner Bewegung traf Jace bis ins Mark – es war der Klang lebendiger Erde, der man sämtliche Essenz aussaugte, der Laut gierigen, wilden Manas, das für immer zum Schweigen gebracht wurde, die Klage fruchtbaren Bodens, der sich in ausgetrocknetes Gebein verwandelte.

Der Eindruck währte nur einen Augenblick, doch Jace sah vor seinem geistigen Auge, wie sich sein Körper unter Ulamogs Masse auflöste, wie sich sein Gewebe in seine Bestandteile zersetzte, wie sein Fleisch von ihm wegdriftete wie die schwebenden Inseln Zendikars ...

Das war es, was dieser gesamten Welt widerfahren sollte. Der Eldrazititan verzehrte jeden Funken Kraft auf dieser Welt, vom Mana des Landes bis zu jedem einzelnen Lebewesen – langsam und unersättlich.

Wie in einer kurzen Vision sah Jace das Muster, das sich daraus entwickeln würde. Die Menschen Zendikars würden aus den verwüsteten Landstrichen fliehen und sich um Orte scharen, an denen noch Leben möglich war – um Verteidigungsanlagen oder bedeutende Landmarken herum. Und dann würde Ulamog seine riesige Gestalt zu diesen Versammlungsorten schleifen und sie in Grabstätten verwandeln.

Seetor.

Deshalb war Seetor von der Brut der Eldrazi angegriffen worden. Die Brut war der entfernteste Ausläufer von Ulamogs Einfluss, und sie suchte nach Ansammlungen von Lebewesen und nach Konzentrationen von Macht.

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Nein, sie sucht sie nicht, dachte er. Sie wittert sie.

Ayli und der Kreis der Ewigen Pilger schlossen sich enger um sie. Sie hoben die eisernen Ketten und traten näher an Jace und Jori heran. Jori hielt die Hellebarde vor sich und schwang sie drohend hin und her.

Jetzt war nicht die Zeit für Zurückhaltung. Jace ging geradewegs auf einen der Pilger zu, einen Menschen mit grauen Bartstoppeln, der ihm im Weg stand.

„In Ulas Namen ...“, setzte der Mann an und wollte Jace in Ketten legen.

„Halt“, sagte Jace. Der Mann ging in Flammen auf.

Er schrie und ließ wild um sich schlagend die Ketten fallen. Wild drosch er auf sich selbst ein, um die Flammen zu ersticken, die ihn so plötzlich einhüllten. Sie wollten nicht verlöschen. Er warf sich zu Boden und rollte sich im Gras umher, doch es war vergebens. Er stöhnte vor Todesqualen.

Jace blickte all die anderen Ewigen Pilger an, und auch sie gingen in Flammen auf.

Wie aus einer Kehle kreischten sie auf und packten sich an die eigenen Leiber, wollten ihre brennenden Roben abwerfen, wanden sich am Boden oder rannten ziellos umeinander.

Jori und Jace waren nun nicht mehr eingekreist.

„Wie kommen wir hier raus?“, fragte Jace.

Joris Mund stand offen. „Äh – zurück in die Kluft. Wir können auf der anderen Seite wieder nach oben klettern.“

Als sie durch den engen Spalt eilten, flüsterte Jori ihm zu: „Wie ... ? Du bist kein Pyromagier.“

„Das Entscheidende daran ist“, sagte Jace, „dass sie das nicht wissen.“

Jori blickte zurück. Die Pilger hinter ihr standen mitnichten in Flammen. Sie klopften mit flachen Händen verzweifelt auf ihre gänzlich unversehrten Haut ein und rollten sich völlig ohne jeden Grund wie irr im Gras herum. Jace sah, wie sie ihm einen Blick zuwarf, und sie rannten weiter.


Jori und Jace rangen um Atem. In der Ferne zog Ulamog selbst sich in Richtung Seetor voran und wälzte sich über die Landschaft hinweg. Die Pilger hatten sich nicht weit von dem Objekt ihrer Verehrung entfernt.

„Ich habe noch nie zuvor einen Titanen gesehen“, sagte Jori.

„Ich auch nicht.“

Jace war klar geworden, was geschehen musste, und es gefiel ihm nicht. Nun musste er es Jori sagen und hoffen, dass sie es genauso sah.

„Nun gut. Wir haben unsere gesamten Vorräte auf dem Karren verloren . . .“, sagte Jori.

„Jori“, sagte Jace sanft.

„. . . Ich kann in den nächsten Tagen für uns jagen. Ich sollte in der Lage sein, uns zu Fuß zum Auge zu bringen. Wir werden um Hilfe bei der Überfahrt bitten müssen, und dann sind da noch die Zähne von Akoum. Aber ich habe Freunde unter den Tuktuk-Goblins, die uns vielleicht helfen können. . .“

„Jori, jemand muss sie warnen.“

„Wen warnen?“

„Die anderen in Seetor. Ulamog ist auf dem Weg zu ihnen. Gideon muss wissen, was auf ihn zukommt.“

„Und unsere Expedition zum Auge sollen wir abbrechen? Kannst du es ihm nicht einfach . . . sagen? Von hier aus?“

„Es ist zu weit für Telepathie.“

„Du könntest einfach . . . zurückgehen. Sofort. Du bist doch so jemand.“

„Das werde ich nicht tun.“

„Also was dann? Wir ... kehren einfach um?“ Die Flossen an Joris Hals legten sich in Falten. Einen Augenblick lang wandte sie sich ab und blickte zum Horizont, ehe sie sich wieder umdrehte, um ihn anzuschauen. „Na schön. Ja. Wir kehren um. Wir gehen so schnell wie möglich zurück. Und wir bereiten uns auf einen Kampf am Lager vor.“

„Du gehst“, sagte Jace.

„Was?“

„Du gehst zurück und warnst sie. Ich gehe zum Auge.“

„Du willst allein weitergehen? Jace, nein.“

„So muss es sein.“

„Aber das wirst du doch niemals schaffen!“

„Ich muss es schaffen.“

„Aber dann bist du ganz allein! Ich lasse dich nicht allein, unvorbereitet und ohne jedweden Proviant davonziehen.“

„Meine Illusionen werden mir Gesellschaft leisten.“

„Das ist nicht witzig. Komm. Du kehrst mit mir nach Seetor zurück.“

Jace fragte sich, ob sie überhaupt bemerkte, dass ihre Hand auf ihrer Hellebarde lag. „Hast du vor, mich dorthin zurückzuschleifen?“

„Wenn es nötig ist!“

„Ich dachte mir schon, dass du so etwas in der Art sagen würdest.“ Jace trat einen Schritt zurück. Er musste jede Möglichkeit bedenken. „Auf Wiedersehen, Jori.“

„Warte“, entfuhr es ihr. „Jace. Warte. Nein . . .“ Ihre Stimme verklang.

Jori schüttelte den Kopf und sah sich um. Das Lager war nun nicht mehr weit entfernt – noch ein Tagesmarsch, und sie würde dort eintreffen, um die anderen zu warnen. Sie war zügig vorangekommen, seit der Gedankenmagier sie nicht mehr aufhielt. Es war gerade erst ein paar Tage her, seit sie Jace überzeugt hatte

... Oder? ... Ja?

Sie runzelte die Stirn

. . . Ja.

Es war erst ein paar Tage her, seit sie Jace überzeugt hatte, ohne sie zum Auge aufzubrechen. Es war die klügste Lösung gewesen. Er musste einfach nur das große Ganze betrachten.

Sie hielt inne. Was hatte sie gerade zu sich selbst gesagt?

„Warte mal, Jace. Nein, oder?“

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Sie blickte sich um und versuchte, sich zurechtzufinden. Der Himmel über ihr war so, wie er auch in den vergangenen Tagen gewesen war – weit und blau und voller Wolken und dem einen oder anderen schwebenden Polyeder. Der Himmel war so grenzenlos und doch auf ganz eigene Weise sonderbar wie eh und je. Sie spürte ein Unbehagen, so als hätte sich die Himmelskuppel gerade außerhalb ihres Blickfeldes irgendwie in eine neue Form gebogen. Sie drehte sich einmal um die eigene Achse. Das Gras und die Steine und die Bäume in der Ferne sahen so aus, wie sie aussehen sollten. Sie bemerkte ein Steinchen zu ihren Füßen. Sie trat danach.

„Verdammt, Jace.“

Sie holte tief Luft und schüttelte den Kopf.

Sie rückte einen Riemen ihrer Rüstung zurecht und setzte ihren Weg nach Seetor fort.

Veröffentlicht in Uncharted Realms on 2. September 2015

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Re: Kampf um Zendikar

Beitrag von Vindicator » Mo 7. Sep 2015, 21:10

Sehr schön!
Und an dieser Stelle darf verraten werden das mittlerweile drei Planeswalker für BfZ bestätigt sind.
Gideon Jura, Kiora und Ob Nixis werden in den Kampf ziehen...
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Re: Kampf um Zendikar

Beitrag von snotl » Di 8. Sep 2015, 11:27

Und gibt es auch schon Previews der Karten von denen oder ist das eine Überraschung?
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Re: Kampf um Zendikar

Beitrag von Vindicator » Di 8. Sep 2015, 21:01

Sure Bua! Soll heißen, jetzt gibt es sie. Zu dem Zeitpunkt wo ich das geschrieben hatte, hatte ich nur Boosterverpackungen gesehen und vermutet. Die spare ich mir an dieser Stelle.

Dann versuche ich mal gleich eine Einschätzung und somit Top 3 Ranking aus meiner Sicht. Fangen wir beim bekannten an:
Gideon, Verbündeter von Zendikar
file.png
file.png (176.06 KiB) 2622 mal betrachtet
Ein guter, leicht überdurchschnittlicher Planeswalker. Mit seiner Plus 1 Fähigkeit kann er sich nicht selbst verteidigen oder angreifen wenn er ins Spiel kommt, das macht ihn anfällig. Die zweite Fähigkeit ändert nichts an seiner Loyalität, wird aber sicher am häufigsten gespielt werden. Jede Runde eine Gratis Kreatur ist einfach gut. Wenn er ins Spiel kommt kann er sofort Ultimate gehen. Plus 1/1 kann im Mid wie im Late Game sehr gut sein, außerdem ist es dann ein Emblem, das heißt der Gegner bekommt es nicht weg. Ob Gideon damit über durchschnittlich wird, wird der restliche Block zeigen wenn es Möglichkeiten gibt in aus dem Friedhof zu casten, möglich wären von Aggro bis Mid Range auf jeden Fall mehrere Builds mit seiner Unterstützung. Im Modern könnte er gehypt werden, eventuell als AddOn für "Hate Bears".
Ob Nixilis
obnixilisreignited2.jpeg
obnixilisreignited2.jpeg (41.19 KiB) 2622 mal betrachtet
Für mich aktuell der Planeswalker des Blocks, nicht nur weil er Mono Schwarz ist. Im schlimmsten Fall ist er ein klassisches Removal und spart dir 2 - 5 Lebenspunkte wenn ihn der Gegner attackiert. Im besten Fall mutiert er zu einer Hommage an die Karte Phyrexian Arena. Für Standard wirkt er fair (wie gesagt der ganze Block ist noch nicht released) würde aber in mehreren Decks funktionieren. In Modern finde ich ihn in Kombination mit Karn, Liberated und Liliana of the Veil unpackbar stark - das sind Planeswalker einfach bei denen alle 3 Fähigkeiten Sinn machen.

Fluff mässig sah Ob Nixilis letztes Jahr noch so aus, bevor er in den Dämonenstand erhoben wurde (Zendikar ändert alles!!):
obnixilisoftheblackoath.jpeg
obnixilisoftheblackoath.jpeg (34.11 KiB) 2622 mal betrachtet
Kiora, Master of the Depths:
kioramasterofthedepths1.jpeg
kioramasterofthedepths1.jpeg (50.19 KiB) 2622 mal betrachtet
Beginnen wir hier zur Abwechslung mit dem Artwork. Offensichtlich ist Theros zurück, bzw wird in Zukunft wieder mal eine Rolle spielen. Kiora hält nämlich den Dreizack von Thassa in ihrer Hand.
Viel gibt es aber ansonsten nicht mehr zu vermelden. Die Plus 1 Fähigkeit gibt einer Kreatur Pseudo Vigilance und zusätzlich ein generisches Mana um leichtes Ramping zu haben. Die zweite Fähigkeit ist für meinen Geschmack ein wenig random, kann aber mit dem ganzen Block auch durch die Decke gehen wenn man delven kann oder es ähnliche Friedhof relevanten Themen in Zendikar geben wird. Ultimate ist eine deutliche Verbesserung zu ihrer ersten Karte und würde im besten Fall dann losgehen wenn die ersten dicken Eldrazi aufs Feld kommen, ansonsten ist Zug 8 sehr spät - der Block wird aber sicher langsamer. Zu Modern brauch ich hier nichts sagen, das spielt sich so schnell das bei Runde 8 schon das 3te Spiel beginnt. Blau/Grün in ihren Kosten zu haben, wird es Kiora auch nicht leichter machen viel kompetive Spielluft zu schnuppern - ist einfach keine einfache bzw beliebte Kombi. Kiora könnte vllt. in einem Überraschungs Control Deck ein zu Hause finden (das würde vermutlich aber grün extra splicen um ihr Platz zu schaffen), möglich wäre aber auch ein klassisches Ramp Deck - aber will man das zusammen mit Blau?
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Re: Kampf um Zendikar

Beitrag von Judge Fredd » Do 10. Sep 2015, 19:08

Die Überlebenden vom Himmelsfelsen


Seetor, Zendikars wichtigste Stadt, ist den Eldrazi zum Opfer gefallen, und Gideon gibt sich die Schuld daran. Er zog sich kurzzeitig aus der Schlacht zurück, um nach Ravnica zu reisen und Jace Beleren zu holen, da er hofft, dass der Gedankenmagier das Rätsel der Polyeder lösen und so das Blatt des Krieges wenden wird. Als Gideon und Jace nach Zendikar zurückkehrten, bestand für Seetor keine Aussicht auf Rettung mehr. Gideon half dem verwundeten Hauptmann Vorik und einer kleinen Gruppe Überlebender beim Verlassen der Stadt – mehr war nicht von Seetor geblieben.

Die Gruppe schlug ihr Lager auf einem gewaltigen schwebenden Polyeder auf, und bald darauf machte sich Jace gemeinsam mit der Meerfrau Jori En auf den Weg zum Auge von Ugin, um nach weiteren Hinweisen auf die wahre Macht der Polyeder zu suchen. Jace versuchte, Gideon zu überreden, sie zu begleiten, doch dieser weigerte sich, die Zendikari ein zweites Mal zu verlassen. Ihr Überleben ist für ihn nun das Wichtigste – auch wenn er nicht weiß, ob er diese Aufgabe tatsächlich zu bewältigen vermag.


Wir müssen unsere Kräfte sammeln.

Wir müssen uns neu formieren.

Wir müssen überleben.

Generalhauptmann Voriks Befehle. Dies waren die Gebote, denen zu folgen Gideon geschworen hatte.

Und von diesen Geboten war das Überleben die größte Herausforderung.

Es war nie einfach gewesen, auf Zendikar am Leben zu bleiben, doch in jüngster Zeit schien es gänzlich unmöglich. Um hier angesichts dieser monströsen Ungeheuer zu bestehen, brauchte man Patrouillen, Befestigungsanlagen, Waffen, Heilmittel, Nahrung, Wasser, Unterschlupf und Wärme. Die Liste war lang.

Daher nahm sich Gideon einen Punkt nach dem anderen vor.

Im Augenblick sorgte er für Wasser.

Mithilfe der Kor Abeena war er gerade dabei, den nächsten Felswasserfall so zu positionieren, dass sein kostbarer Strom lebensspendenden Wassers ganz am hinteren Ende des Lagers auf dem Polyeder niederging, wo die Überlebenden ihn sicher und leicht erreichen konnten.

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„Alles klar!“, rief Gideon Abeena zu.

Abeena balancierte auf der schmalen Kante des Wasserfallfelsens, der im Augenblick noch zu weit vom Lager entfernt und in die falsche Richtung gedreht war und sein Wasser daher in eine breite Schlucht ergoss, wo man es weder erreichen noch abschöpfen konnte.

Die Kor hatte vier Seile zwischen dem Wasserfall und dem großen Polyeder, auf dem sich das Lager befand, angebracht. Gideon hielt zwei dieser Seile, eines in jeder Hand. Zu seiner Rechten hatten ein Meermann und ein weiterer Kor breitbeinig Aufstellung genommen und hielten das dritte Seil straff. Zu seiner Linken klammerten sich drei Menschen an das vierte.

„Von mir aus kann es losgehen!“, rief Abeena zurück.

Gideon nickte den anderen zu. „Na schön. Auf geht‘s. Zieht!“ Er straffte die Seile und ging, einen Fuß hinter den anderen setzend, rückwärts.

Auch die anderen zogen, und gemeinsam beförderten sie den Wasserfall mühsam etwas dichter an den Himmelsfelsen heran.

„Genau so“, feuerte Gideon sie an. „Gleich ist es geschafft.“ Schweiß bildete sich an seinen Schläfen, als er ein weiteres Mal an dem großen Felsen zerrte. Das Gefühl, einen echten Kraftakt zu vollbringen, war eines der besten, die er sich vorstellen konnte. Und zu spüren, wie einem eine steife Brise Zendikars um die Ohren wehte, war auch nicht zu verachten.

In der kurzen Zeit, die er auf dem Himmelsfelsen verbracht hatte, hatte er diese Welt mehr und mehr zu schätzen gelernt. Der Ausblick von hier oben war unvergleichlich. In einem anderen Leben hätte Gideon sich vorstellen können, hier zu leben und seine Tage mit Klettern, Jagen, Erkundungen und Abenteuern zu verbringen. Es war nicht schwer zu verstehen, warum so viele diese Welt liebten. Warum so viele für sie kämpften.

„Haltet ihn genau so!“, rief Abeena. „Ich drehe ihn jetzt herum.“

„Macht euch bereit!“, befahl Gideon. Er schöpfte aus seinen Kraftreserven, um eine tiefe Verbindung zu dem Polyeder einzugehen, und er wurde so unbeweglich wie der dickste Baum auf Zendikar. Die anderen festigten ihren Griff und wappneten sich, während Abeena ein weiteres Seil mit einem großen Haken um einen dritten schwebenden Felsen schlang.

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Kräftig zog Abeena an diesem Seil, das sie als Anker verwendete, um den Wasserfall um seine Achse zu drehen. Sie richtete ihn so aus, dass das Wasser in Richtung des Lagers herabstürzte. „Ich glaube, ich hab‘s!“

Jubel erschallte hinter ihnen, und Gideon drehte sich um. Er sah, dass nahezu alle Überlebenden auf dem Himmelsfelsen, die die Zeit zum Zusehen gefunden hatten, als Publikum dieses Schauspiels versammelt waren. Ihre Hoffnung war deutlich zu spüren: Sie sehnten sich nach dem ersten Schluck erquickenden Wassers.

„Wir haben hier drüben ein paar durstige Leute, Abeena“, sagte Gideon. „Bringen wir ihnen doch etwas Wasser!“

Erneuter Jubel.

„Mit Vergnügen.“ Abeena löste das fünfte Seil und kniete sich auf den Polyeder, um ihn zu lenken. „Holen wir ihn heran.“

„Das wird uns durchrütteln“, warnte Gideon die Menge. „Haltet euch fest!“

Ein letztes Ziehen bugsierte den Wasserfall geradewegs über den Himmelsfelsen. Das Wasser strömte auf das hintere Ende des Polyeders herab, und der gesamte Felsen verlagerte ob der schieren Last des sprudelnden Stroms sein Gewicht. Doch sowohl das laute Tosen als auch die Erschütterungen waren vergessen, als die Zendikari jubelnd und singend unter den Wasserfall liefen, um zu trinken und im kühlen Nass umherzutollen.

„Danke, Gideon“, sagte Abeena, als sie von dem Felsen herabkletterte. „Wir haben Glück, dass du bei uns bist.“

„Das könnte ich auch über dich sagen“, meinte Gideon. „Das war gute Arbeit mit den Seilen. Ich glaube, das hier hast du dir verdient.“ Er reichte ihr einen Becher.

„Auf dein Wohl.“ Sie erhob den Becher und schlenderte in Richtung des Wasserfalls.

Gut. Das war gut, dachte Gideon. Nun hatten sie Wasser. Sie brauchten Wasser, um zu überleben. Sie waren nun wieder einen Schritt weiter.

„Er will nicht, dass du deine Zeit mit so etwas verschwendest“, erklang Tazris Stimme hinter ihm. Sie musste aus Voriks Zelt gekommen sein, wo sie einen Großteil ihrer Zeit damit verbrachte, mit dem Hauptmann zu sprechen und Planungen vorzunehmen, während sich drei Heiler um ihn kümmerten. Der Grund für Tazris Wachsamkeit schien Gideon offensichtlich. Wenn der hartnäckige Husten, den Gideon aus dem Zelt des Hauptmanns hörte, das bedeutete, was er befürchtete – Verderbnis durch die Eldrazi –, dann würde schon sehr bald Tazri, Voriks engste Vertraute, den Platz des Hauptmanns einnehmen. Und das würde eine Menge Veränderungen für die Überlebenden auf dem Himmelsfelsen nach sich ziehen. Und für Gideon.

Tazri war ihm gegenüber stets abweisend gewesen, seit Vorik im Zuge ihrer Flucht Gideons Vorschläge den ihren vorgezogen hatte. So war es beispielsweise Gideons Idee gewesen, dass die Überlebenden auf dem schwebenden Polyeder Zuflucht suchten, wohingegen Tazri gewollt hatte, dass sie weiterzogen. Gideon glaubte zwar noch immer, richtig gehandelt zu haben, doch er wollte nicht länger mit Tazri streiten. Er brauchte ihr Vertrauen.

„Tazri.“ Gideon drehte sich um und achtete darauf, sein Lächeln beizubehalten. „Ich habe noch einen Becher übrig. Möchtest du frisches Wasser?“

„Ihre Zeit hätte wesentlich besser dazu genutzt werden können, die weitere Flucht vorzubereiten.“

„Das tun sie bereits“, sagte Gideon. „Und das wird ihnen dabei helfen. So können sie leichter ihre Trinkschläuche füllen.“

„Die haben sie sonst drunten am Fluss auch gefüllt bekommen. Wie viele waren hier dabei? Sechs gesunde, starke Leute, die auf die Jagd hätten gehen können? Mittlerweile hätten sie wohl ein oder gar zwei Baloths erlegt. Wir müssen Proviant beschaffen. So lauten Hauptmann Voriks Befehle.“

„Wir brauchen auch Wasser.“

„Nicht, um darin herumzuplanschen.“ Tazri deutete auf die Zendikari, die noch immer im Wasserfall tanzten. „Das ist Zeitverschwendung.“

Gideon konnte nicht anders, als bei dem Anblick zu grinsen. „Es ist nie Zeitverschwendung, die Moral aufrechtzuerhalten.“

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„Ich weiß, was du tust.“ Tazri verengte die Augen. Das Leuchten des Reifs, den sie um den Hals trug, schien sich zu verstärken. „Du versuchst, diesen Ort hier hübsch herzurichten. Um Gründe zum Bleiben zu finden. Du wartest darauf, dass er zurückkommt. Dieser andere Fremde. Der, der ist wie du.“

Jace. Sie sprach von Jace. Tazri deutete nicht zum ersten Mal an, dass sie wusste, worum es sich bei Gideon handelte: um einen Planeswalker.

„Ich habe gehört, wie ihr miteinander gestritten habt“, fuhr sie fort. „Und ich habe gehört, wie du diesen Streit verloren hast.“

Gideon schnaubte. Er hatte nicht verloren. Er wollte, dass Jace das Rätsel um die Polyeder löste. Es wäre ihm zwar lieber gewesen, wenn man die Reise zum Auge von Ugin so lange verschoben hätte, bis die Lage hier etwas stabiler war, doch dem grundsätzlichen Plan hatte er zugestimmt.

„Du kannst diese Leute nicht zwingen, hier zu warten, bis er zurückkommt“, sagte Tazri. „Es ist zu gefährlich. Hast du irgendeine Ahnung, wie lange er fort sein wird? Weißt du, wie weit Akoum von hier entfernt ist?“

Das wusste Gideon, doch sie gab ihm keine Gelegenheit, ihr zu antworten.

„Nein, tust du nicht“, behauptete Tazri. „Du stammst nicht von hier. Ich weiß über dich Bescheid. Und über ihn. Keiner von euch gehört nach Zendikar, und ihr habt kein Recht, hierherzukommen und diese Leute – meine Leute – in Gefahr zu bringen.“ Als sie geendet hatte, beugte sie sich näher an ihn heran und stieß mit dem Finger gegen die Rüstung über seiner Brust.

Gideon hob die Hände. Er wollte sie nicht belügen, denn auf diese Weise gewann man kein Vertrauen. „Du hast recht. Ich stamme nicht von dieser Welt.“ Er trat einen Schritt zurück, um Tazri etwas Raum zu geben. Dies war seine Gelegenheit, sich zu erklären. Sie musste unbedingt alles verstehen. „Aber ich kenne Zendikar. Ich kenne es gut. Ich habe seine Meere überquert und seine Berge erklommen. Ich habe seine Sonne unzählige Male auf- und untergehen sehen. Ich habe beinahe jeden Kontinent bereist und dort gekämpft. Und das werde ich auch weiterhin tun.“ Er blickte ihr fest in die Augen. „Dieses Land bedeutet mir sehr viel, und noch mehr seine Bewohner. Ich bin nur hier, um zu helfen.“

Tazri musterte ihn, als würde sie ihn zum ersten Mal erblicken und ihn wirklich ansehen. Gideon stand hoch aufgerichtet da, die Miene ernst, denn er wollte ihr unmissverständlich zeigen, wie schwer jedes einzelne seiner Worte wog.

Sie holte tief Luft. „Dann wirst du aufhören, dich einzumischen. Vorik weiß, was das Beste ist. Ich weiß, was das Beste ist. Und das hier ist es nicht.“ Tazri deutete in Richtung des Wasserfalls. „Das ist schlecht, Gideon. Sieht du das nicht? Es vermittelt den Menschen ein falsches Gefühl der Sicherheit. Es lässt sie glauben, dass sie einen Ort ihr Zuhause nennen können, obgleich dem nicht so ist. Sie sind hier nicht sicher. Jeden Augenblick können die Schwärme aus Seetor über uns hereinbrechen. Jeden Augenblick können wir gezwungen sein, erneut um unser Leben zu kämpfen. So wenige überlebten beim ersten Mal. Was glaubst du, wie viele einen zweiten Angriff überstehen werden?“

Überleben war nie leicht.

„Wenn du das Beste für diese Leute willst, wie du sagst, dann hilf ihnen bei der Jagd. Hilf ihnen, Vorräte zu sammeln. Hilf ihnen bei den Vorbereitungen für die weitere Flucht. Anders werden sie nämlich nicht überleben.“

Ein Husten aus der Richtung von Voriks Zelt zog ihrer beider Aufmerksamkeit auf sich.

„Das ist es, was Vorik will.“

Tazri drehte sich geschmeidig um und ging auf das Zelt zu. Gideon tigerte über das hintere Ende des Himmelsfelsens. Das Tosen des Wasserfalls war in der Ferne kaum mehr zu hören. Er wartete auf den Rest der Jagdgruppe: die gleichen sechs, die ihm mit dem Wasserfall geholfen hatten, würden nun versuchen, einen Knurrer aufzustöbern – oder ein Baloth, wenn ihnen das Glück hold war.

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Er war ungeduldig.

Sie verloren Licht.

Und Tazri irrte sich, was den Wasserfall anging.

Der Wasserfall war etwas Gutes.

Das Wasser war etwas Gutes.

Es galt zu überleben, und Gideon hatte entsprechend gehandelt. Das Wasser würde dafür sorgen, dass die Zendikari überlebten – ob nun noch eine Nacht, eine Woche oder einen Monat.

Je länger, desto besser.

Er war nicht mit Tazri einer Meinung und, was das anging, auch nicht mit Hauptmann Vorik.

Er glaubte, dass sie hierbleiben sollten.

Nicht nur wegen Jace, obwohl Tazri nicht unrecht hatte, dass er auf dessen Rückkehr warten wollte. Der Gedankenmagier würde nicht so lange fortbleiben, wie Tazri annahm. Die Reise nach Akoum war zweifellos lang, doch Jace würde wahrscheinlich zurück zum Lager weltenwandeln, sobald er am Auge gefunden hatte, wonach er suchte. Und so blieb nur noch die halbe Entfernung und die Hälfte der Zeit übrig. Mit dem Wissen, das Jace aufspüren würde, hoffte Gideon, ihre Überlebenschancen erheblich zu steigern. Die Verheißung der Macht der Polyeder war die Hoffnung, an die er sich klammerte. Wenn die Zendikari diese Macht nutzen konnten, überlebten sie vielleicht die Flucht, zu der Tazri und Vorik sie überreden wollten.

Doch dort draußen in der Wildnis konnte Gideon sie nicht so gut beschützen wie hier auf dem Polyeder. Zumindest waren sie hier alle an einem Fleck versammelt, und er wusste immer genau, wo sich jeder von ihnen aufhielt. Zumindest fanden sie hier Nahrung und bauten Unterkünfte – und nun hatten sie auch noch Wasser.

Wenn das Ziel das reine Überleben war, dann sollten sie hier nicht weggehen.

Wie lange also konnten sie bleiben?

Er blickte nach Norden in Richtung Seetor. Von hier aus war nur die Spitze seines Leuchtturms zu erkennen.

Was trieben die Eldrazi? Stürmten sie noch immer über die Mauern und verbreiteten ihre Verderbnis über die Felsen? Oder hatten sie sich in Bewegung gesetzt, wie Tazri es vermutete?

Wie schnell bewegten sie sich fort? Wie lange würden sie brauchen, um diesen schwebenden Polyeder zu erreichen?

Wie viele würden es sein?

Wie viele konnte Gideon aufhalten?

Solange sie nur in kleinen Grüppchen kamen, konnte Gideon einen nach dem anderen erledigen, ehe sie das Lager erreichten.

Das konnte er allein schaffen.

Niemand anders würde sein Leben aufs Spiel setzen müssen.

Er würde sich der ganzen verfluchten Meute allein stellen, falls es nötig werden sollte.

Wenn sie jedoch als Schwarm kämen . . . „Beeil dich, Jace“, hauchte Gideon.

„Gideon!“ Die Stimme erklang über ihm und schreckte Gideon auf – einen Augenblick lang hatte er gedacht, gebetet, gehofft, dass es Jace war. Doch dazu war es noch viel zu früh. Natürlich war es nicht Jace.

„Gideon!“

Gideon trat einen Schritt zurück, als ein gewaltiger blauweißer Manta von oben zu ihm hinabglitt und eine Armeslänge entfernt vor ihm schwebte. Die Elfe auf seinem Rücken wirkte zwar etwas deplatziert, doch es schien kein unbequemer Ritt für sie zu sein. Sie kniete stolz und mit geradem Rücken auf dem Rochen. In ihrer erhobenen Hand trug sie einen Speer.

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„Seble“, sagte Gideon. „Was ist los?“

„Schwierigkeiten. Steig auf!“

Gideon zweifelte nicht an den Worten der Himmelsreiterin. Sie war die einzige Kundschafterin des Lagers, die in der Luft stationiert war, und ihre Warnungen hatten das Lager bereits mehr als einmal vor einem möglichen Angriff der Eldrazi bewahrt.

Er kletterte auf das Tier.

„Eine Gruppe nähert sich von Süden“, rief Seble ihm über die Schulter zu, als sich der Manta in die Lüfte schwang. „Und sie wird von Eldrazi verfolgt.“

Gideon atmete erleichtert aus. Wenn sie von Süden kamen, dann gehörten ihre Verfolger nicht zu dem Schwarm aus Seetor. Es war noch immer Zeit.

„Es ist ein Flieger“, sagte Seble. „Und, Gideon, er ist groß!“

Gideon konzentrierte sich. Selbst wenn es nicht der Schwarm war, so war es dennoch ein Eldrazi – einer, den er vernichten musste. „Bring mich dorthin.“ Er hielt sich an Sebles Gürtel fest, als der Manta vorwärtsrauschte.

„Ich glaube, sie sind auf der Flucht“, rief die Elfe ihm zu. „Nach allem, was ich erkennen konnte, sind sie ziemlich mitgenommen.“

„Dann lass uns dafür sorgen, dass der letzte Teil ihrer Reise so angenehm wie möglich ist“, sagte Gideon.

Dies wäre dann die zweite Gruppe, die der Himmelsfelsen bereits willkommen geheißen hatte. Die letzte – eine Schar von Kor, die völlig verstört umhergeirrt waren, nachdem sie Seetor erblickt hatten – war von einem Jagdtrupp gefunden worden. Sie kamen aus Akoum und waren über zwei Kontinente und das Meer gereist, weil sie glaubten, Seetor wäre eine sichere Zuflucht. Das war die Kunde, die sich den Kor zufolge über fast die gesamte Welt verbreitet hatte. Sie sagten, es würden noch mehr kommen – von überall her. Und hier war der Beweis.

All diese Zendikari flohen zu einer Zuflucht, die es nicht mehr gab.

Als der Manta über einem großen, zerbrochenen Polyeder kreiste, erhaschte Gideon einen ersten Blick auf den riesigen Eldrazi, vor dem Seble ihn gewarnt hatte. Er flog tief, hatte erstaunlich blaue Tentakel und bewegte sich mit schlängelndem Leib knapp über den Baumwipfeln fort, um sich einen Weg durch die Ranken zu bahnen, die von den Polyedern über ihm herabhingen.

Er bewegte sich auf eine Gruppe in der Ferne zu, ganz wie Seble gesagt hatte. Diese Leute schienen sich der Gefahr, in der sie schwebten, nicht bewusst zu sein.

„Wie dicht kannst du mich heranbringen?“, rief Gideon Seble zu.

„Wie nahe willst du denn heran?“ Seble trat dem Manta in die Seite, um ihn zu einem Sturzflug auf den Eldrazi anzuspornen.

Als der Manta in die Tiefe schoss, entrollte Gideon sein Sural.

Sebles Manöver brachte sie dicht genug heran, dass sie ihn mit einem kräftigen Speerstoß erwischen konnte. Als die Speerspitze in die Seite des Eldrazi stach, hieben die vier Klingen von Gideons Sural auf seinen Rücken ein und schlugen ihm vier tiefe Wunden.

Doch das reichte nicht aus, um ihn auch nur zu verlangsamen.

„Achtung!“, rief eine panische Stimme von unten. Es war eine der Fliehenden, eine Menschenfrau mit langem, silbergrauem Haar. Sie hatte den Eldrazi entdeckt.

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Die Aufregung der Frau schien das Ungeheuer anzuziehen. Es wurde schneller.

Die Gruppe rannte los.

„Flieg ihn noch mal an!“, rief Gideon Seble zu. „Schnell!“

Beim zweiten Vorbeiflug kam Seble dem Eldrazi dichter als beim ersten Mal – so dicht, dass Gideon seine gerade freigelegten Innereien riechen konnte.

Er holte mit seinem Sural aus, und Schleim spritzte aus vier weiteren Wunden an der Seite der Kreatur. Doch auch diese Verwundungen verlangsamten sie nicht.

Er musste sie aufhalten.

Erneut schwang er sein Sural, diesmal mit der Absicht, die Monstrosität damit einzufangen, anstatt sie zu verletzen. Mit einer Bewegung seines Handgelenks schlangen sich die Klingen der Waffe um die Tentakel des Eldrazi.

Gideon zog und zerrte das Geschöpf zurück, um es von seinem Kurs in Richtung der Fliehenden abzubringen.

Allerdings hatte er dabei nicht an die Eigenheiten eines Luftkampfs gedacht. Ohne etwas, was sie der Kraft des Angriffs entgegensetzen konnten, wurden Gideon, Seble und der Manta in genau entgegengesetzter Richtung durch die Luft geschleudert.

Sie neigten sich zur Seite und gerieten ins Trudeln, während Seble versuchte, die Kontrolle über ihren Flug wiederzuerlangen. „Lass es los!“, rief sie Gideon zu.

Gideon zog an seinem Sural, um den Eldrazi freizulassen, doch zwei der Klingen hatten sich in einem Tentakel verfangen und er konnte sie nicht herausziehen.

Der Eldrazi bäumte sich auf, und der Manta wurde zur Seite gerissen.

„Lass los!“, rief Seble erneut.

Gideon begriff, dass sie meinte, er solle sein Sural loslassen, doch es war zu spät. Er verlor den Halt und rutschte vom geschwungenen Rücken des Mantas herunter.

Einen Augenblick lang fiel er frei vom Himmel. Dann fand sein Sturz dank seines Surals ein jähes Ende. Er hing vom Rücken des Eldrazi herab und konnte dabei sehen, wie Seble und der Manta dem Boden entgegentaumelten.

Die ganzen Mühen hatten ihm keinerlei zusätzliche Zeit verschafft. Der Eldrazi war noch immer auf Kurs. Wie er so an ihm herunterbaumelte, konnte Gideon die Narben und Wunden an den Armen und Beinen der Menschen erkennen.

„Bleib weg von ihnen!“ Indem er sein Sural wie eine Winde einsetzte, so wie er es Abeena hatte tun sehen, zog sich Gideon auf die Tentakel und schließlich auf die knöchernen Rückenplatten des Eldrazi hinauf.

Das Ungeheuer schlug um sich und wand sich, griff mit vier Armen nach ihm, die sich auf höchst unnatürliche Weise nach hinten durchbogen, und schaffte es dennoch, seinen Kurs beizubehalten.

Gideon bündelte die Magie seiner leuchtenden Schilde und errichtete einen an seiner Seite, dann einen an seinem Oberkörper und schließlich noch einen an seinem Bein, sodass er vor allen Gliedmaßen des Eldrazi geschützt war, während er an dessen knöchernen Platten bis zum Kopf emporkletterte.

Dort griff er nach den dünneren Tentakeln, die vage an die Fühler eines Insekts erinnerten, und setzte sie wie Zügel ein, um den Kopf des Ungeheuers zurückzureißen. Dann stieß er sie nach vorn, legte sein gesamtes Gewicht in die Bewegung und zwang den Eldrazi so zum Sturzflug.

Das Ding brüllte und zuckte und schlug mit den Tentakeln um sich, doch Gideon gab nicht nach. „Ich habe dir gesagt, du sollst von ihnen wegbleiben!“

Mit einer letzten Anrufung seiner Macht ließ er den Eldrazi abstürzen wie einen Stein und errichtete seine wirbelnden magischen Schilde gerade noch rechtzeitig, um sich selbst vor dem Aufprall zu schützen.

Durch den Einschlag kam auch sein Sural frei. Er riss die Waffe nach hinten und hob sie über den Kopf, während er von dem Eldrazi heruntersprang und schon im nächsten Atemzug nach ihm ausholte – einmal, zweimal, wieder und wieder. Er trennte Tentakel um Tentakel ab, bis er auf die verwundbarsten Teile im Fleisch des Eldrazi eindrosch.

Das Ding kreischte und quiekte, doch die unnatürlichen Laute spornten Gideon nur noch weiter an. Ein Hieb für jeden Zendikari, den er an seinesgleichen verloren hatte. Und einen weiteren für jeden, den er noch verlieren würde. Die Menschen versuchten, nur noch zu überleben, doch es waren zu viele Ungeheuer – zu viele, deren endloser Strom sich über das ganze Land ausbreitete. Für immer. Nie würde es enden.

Die Zendikari würden nie in Sicherheit sein.

Wie sollten sie denn jemals überleben?

Wie?

Zu Gideons Füßen türmte sich ein Haufen aus dem Fleisch und den Eingeweiden des Eldrazi auf. Es war nichts mehr übrig, was es noch zu vernichten gab. Er ließ den Arm sinken, und sein Sural fiel reglos neben ihm zu Boden.

Sie konnten sich nicht nach Zulaport zurückziehen.

Ganz gleich, was Vorik sagte.

Ganz gleich, was Tazri wollte.

Die Menschen vom Himmelsfelsen würden all das nie überleben. Sie würden es nie schaffen, Tazeem zu durchqueren, geschweige denn über das Meer überzusetzen.

Es waren zu viele Eldrazi.

Sie mussten bleiben. Wenn sie überleben wollten, dann mussten sie hierbleiben.

Doch was, wenn sie mehr wollten, als nur zu überleben?

Ein Windhauch und das Schlagen ledriger Flügel zogen Gideons Aufmerksamkeit auf sich. Er drehte sich um und sah Seble, die nicht weit entfernt über ihm schwebte und ihn fragend anblickte.

„Haben sie es ins Lager geschafft?“, fragte er.

Sie nickte.

„Ich muss dorthin zurück.“

Sie brachte den Manta tiefer herunter, damit er aufsteigen konnte.

Noch ehe Gideon vom Rücken des Mantas heruntergeklettert war, hörte er Tazris erhobene Stimme. Sie stritt mit der Gruppe der Neuankömmlinge. Gideon eilte im Laufschritt zu ihnen.

„Seetor kann nicht fallen“, grollte ein Kor aus der Gruppe, als sei allein der bloße Gedanke schon völlig abwegig.

„Es ist gefallen“, sagte Tazri. „Wir sind vor ein paar Tagen von dort geflohen. Es ist verloren.“

„Nein.“ Die alte Frau mit dem langen, silbergrauen Haar, die Gideon von oben gesehen hatte, griff nach Tazris Arm. „Nein.“ Sie schüttelte den Kopf. „Dies.“ Sie hob die andere Hand und streckte einen knochigen, faltigen Finger aus. „Dies ist es, wofür wir gekämpft haben. Dies ist es, weshalb ...“ Sie biss sich auf den Knöchel, um ein Schluchzen zu unterdrücken. „Ihr macht euch keine Vorstellung.“ Ihre Stimme bebte, doch sie drängte die Tränen zurück. „Wisst ihr, was wir alles hinter uns haben? Die Turbulenz. Vier Mal. Die gewaltigen Eldrazi. Ein Schwarm von ihnen im Fluss. Tho, Zuri, Itri ... Sie alle fielen in dem Wissen, dass wir Schutz finden würden ... Nein. Deshalb kamen wir hierher.“ Sie fuchtelte mit dem Finger vor Tazris Gesicht herum. „Das ist Seetor. Seetor ist Zendikars einzige Hoffnung. Seetor ist alles, was wir noch haben. Deshalb sind wir hier.“

Die anderen hinter ihr hielten ebenfalls ihre Finger in die Höhe. Gideon erkannte die Geste. Die erste Gruppe Ankömmlinge hatte sie ebenfalls zur Schau getragen. Ihre Finger waren ein Zeichen für den Leuchtturm. Seetor. Ihre Hoffnung.

„Es tut mir leid“, sagte Tazri. „Seetor gibt es nicht mehr. Ihr könnt mit uns nach Ondu kommen.“

„Ondu?“, erwiderte eine junge Frau aus der Gruppe bestürzt. „Es ist kaum noch etwas übrig von Ondu.“

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„Jeder aus Ondu geht nach Seetor. Genau wie jeder aus Akoum. Sogar einige der Vampire aus Guul Draz. Und nun sagt ihr uns – uns allen, nach all unseren Entbehrungen, nach all unseren Kämpfen –, dass dort nichts ist? Dass es kein Ende hat?“ Sie blickte von Tazri zu Gideon. „Das kann nicht wahr sein. Bitte. Das kann doch nicht wahr sein.“ Stumme Tränen rannen ihr über die Wangen.

Gideon spürte ihre Verzweiflung.

Es konnte nicht wahr sein.

„Es ist der Hauptmann“, durchbrach Abeenas erstickte und gehetzte Stimme in Gideons Rücken das Schweigen. Er drehte sich um. „Er hat nach dir gerufen.“ Sie blickte zu Tazri.

„Es tut mir leid“, sagte Tazri zu den Überlebenden. Sie rannte bereits auf Voriks Zelt zu. „Ich muss gehen.“

„Er hat nach euch beiden gerufen“, sagte Abeena. „Gideon, dich will er auch sehen. Sofort.“

Gideon sah es in ihren Augen. Vorik würde den nächsten Sonnenaufgang nicht mehr erleben.

„Bleib bei ihnen, Abeena“, sagte Gideon.

Die Kor nickte ernst.

Gideon verließ die kleine Gruppe Überlebender und rannte hinter Tazri über den Polyeder.

Sie wandte sich zu ihm um. „Es gibt keine neuen Vorräte“, herrschte sie ihn an. „Du warst nicht auf der Jagd.“

„Nein.“ Gideon schloss zu ihr auf und hielt die Plane von Voriks Zelt auf. „Ich hatte keine Gelegenheit.“ Vorik durfte jetzt noch nicht sterben. Gideon war noch nicht bereit, Weisungen von Tazri entgegenzunehmen.

Im Innern des Zeltes war es stickig und roch nach trockenem, fauligem Schimmel – der Geruch der Verderbnis der Eldrazi. Er stammte von Voriks Atem.

Drei Heiler standen an der hinteren Zeltwand, schweigend und wachsam.

Gideon kniete sich neben das Bett des Hauptmanns. Tazri stand hinter ihm.

„Mein Herr, wir sind hier“, sagte sie.

Vorik öffnete die Augen. Sie waren blutunterlaufen und wirkten wie zersprungenes Glas. „Wie ich höre, haben wir Neuankömmlinge?“

„Ja“, sagte Tazri.

„Eine kleine Gruppe.“

„Sie sind auf der Flucht. Und viele weitere kommen jeden Tag hinzu“, sagte Gideon. „Sie wollten nach Seetor.“

Vorik schüttelte mitleidig den Kopf. „Seetor.“ Seine Stimme war kaum mehr als ein Flüstern.

Tazri funkelte Gideon an – ein Blick, der ihm zu verstehen gab, nicht weiterzureden, doch er musste einfach etwas sagen. Vorik musste die Wahrheit erfahren, bevor er starb. Jetzt, solange er noch über das Schicksal der Menschen hier entscheiden konnte. „Sie kommen von überall auf der Welt, mein Herr. Von all den anderen Orten, die den Eldrazi zum Opfer fallen. Akoum, Guul Draz . . . Ondu.“

„Seetor hätte niemals fallen dürfen.“ Vorik schüttelte noch immer gedankenverloren den Kopf. Es schien nicht so, als hätte er Gideon gehört. Er blickte zu Tazri. „Und wie steht es um die Vorbereitungen für die weitere Flucht?“

„Wir sind dabei, mein Herr“, sagte Tazri. „Die große Zahl der Neuankömmlinge führt dazu, dass wir mehr Vorräte sammeln müssen. Doch wir können noch diese Woche aufbrechen, wenn jeder seinen Teil dazu beiträgt.“ Sie warf Gideon einen weiteren Blick zu. „Ich habe einen Weg durch Tazeem festgelegt und . . .“

„Einen Weg, auf dem es von Eldrazi nur so wimmeln wird“, warf Gideon ein.

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„Den sichersten Weg, den ich finden konnte“, erwiderte Tazri.

„Es gibt keinen sicheren Weg durch Tazeem.“ Gideon erhob die Stimme, ehe Tazri protestieren konnte. Er hatte einen Standpunkt zu vertreten, und genau das würde er auch tun. „Es gibt auf ganz Zendikar keinen sicheren Weg.“

„Unsere Reise wird gefährlich sein, das stimmt“, sagte Tazri. „Aber das wissen wir. Und meine Kundschafter versicherten mir, dass Boote auf uns warten werden, mit denen wir das Meer überqueren können, sobald wir erst die Küste erreicht haben.“

„Boote, die gerade erst dort angelegt haben“, sagte Gideon. „Boote, die gerade erst aus Akoum und Ondu kamen, um Menschen von dort wegzubringen. Weil diese Orte nämlich gefallen sind.“

Tazris Nasenlöcher bebten, und der Reif um ihren Hals gleißte. Sie drehte sich zu Gideon um. „Ja, ich habe dich verstanden. Wir alle haben dich verstanden. Du willst nicht, dass wir weiter fliehen. Du willst nicht, dass wir nach Zulaport gehen.“

„Nein, das will ich nicht“, sagte Gideon.

„Was sollen wir denn deiner Meinung nach stattdessen tun? Hierbleiben? Auf diesem Felsen sitzen, wo wir verwundbar und angreifbar sind, und darauf warten, dass sie uns holen? Darauf warten, dass wir sterben?“

„Nein.“ Gideon wurde bewusst, dass er tatsächlich einen anderen Plan hatte. Irgendwann während er den fliegenden Eldrazi erlegt, mit den Neuankömmlingen gesprochen und die Risse in Voriks Augen gesehen hatte, war ihm eingefallen, was zu tun war. Er begegnete Voriks flackerndem Blick. „Ich finde, wir sollten nach Seetor zurückgehen.“

„Was?“, rief Tazri aus. „Unmöglich!!“

„Seetor ist gefallen, Gideon“, hustete Vorik. Eine Staubwolke stieg aus seinem Mund auf und hing zwischen ihnen in der Luft. „Es wurde überrannt. Es ist verloren.“

Ein Teil von Gideon wollte den Blick von dem Staub und dem sterbenden Hauptmann abwenden, doch er achtete und schätzte diesen Mann zu sehr. Er blinzelte nicht einmal. „Es kann wieder aufgebaut werden, mein Herr“, sagte er. „Wir können es zurückerobern. Wir versammeln hier auf dem Himmelsfelsen eine Streitmacht – mit all den Neuankömmlingen, die hier eintreffen sollen, haben wir bereits eine beachtliche Streitmacht. Sobald sie groß genug ist, umzingeln wir Seetor so, wie sie es getan haben, und dann dringen wir dort ein und holen uns zurück, was uns gehört. Ihr selbst habt gesagt, dass dies die strategisch beste Position auf ganz Zendikar ist. Wir brauchen Seetor, mein Herr, wir brauchen es, um . . .“

„Du bist ja wahnsinnig“, schnitt Tazri ihm das Wort ab. „Du warst doch dabei, Gideon – zumindest den Großteil der Schlacht. Du hast unsere Leute sterben gesehen. Du hast die Schwärme der Eldrazi gesehen. Wie kannst du nur glauben, wir hätten eine Chance?“

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„Die Eldrazi werden nicht lange dort bleiben“, sagte Gideon. „Sie verhalten sich nicht wie die Armeen aus vernunftbegabten Geschöpfen, die wir kennen. Sie haben kein Interesse daran, Seetor zu halten. Sie fressen, so viel sie können, und ziehen dann weiter. Genau so, wie sie es schon mit anderen Orten getan haben.“

„Sie ziehen weiter und werden schnurstracks zu uns kommen!“, sagte Tazri. „Wir können gar nicht schnell genug aufbrechen.“

„Aber es gibt keinen Ort mehr, an den wir gehen könnten, Tazri!“ Gideon ballte die Fäuste. Warum sah sie das nicht ein? „Du sagst immer wieder, wir müssen fliehen, aber nicht, wohin!“

„Zulaport“, sagte Tazri. „Wir gehen nach Zulaport, wie der Hauptmann befohlen hat.“

„Und woher wissen wir, dass Zulaport nicht ebenfalls gefallen sein wird, wenn wir dort eintreffen? Woher wissen wir, dass es nicht bereits gefallen ist? Dies ist das Ende. Die Eldrazi übernehmen alles. Wenn wir uns jetzt nicht wehren, wird ganz Zendikar vernichtet werden.“

„Genug!“, rief Vorik und wurde gleich darauf von einem neuerlichen Hustenanfall geschüttelt. Staubwolken schossen mit jedem Keuchen in die Luft.

Die drei Heiler drängten sich an Tazri und Gideon vorbei.

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Gideon stand auf und trat einen Schritt von der Bettstatt des Hauptmanns zurück.

„Narr“, spie Tazri aus. „Das bist du. Ein Narr. Du würdest diese Leute – meine Leute, Voriks Leute – in den Tod führen.“

„Nein. Ich gäbe ihnen die Chance, mit dem Leben davonzukommen.“

„Ihre Chance, mit dem Leben davonzukommen, liegt in Zulaport. Das weißt du so gut wie ich.“

„Es reicht nicht mehr, nur zu überleben, Tazri“, sagte Gideon.

„Wie kannst du das sagen? Überleben ist alles.“

„Ich habe es auch nicht gleich erkannt. Erst jetzt. Ich war zu sehr auf das fixiert, was vor uns liegt. Das waren wir alle. Doch wir müssen das große Ganze betrachten.“ Gideon bemerkte, dass es Jaces Worte waren, die ihm da gerade über die Lippen kamen. Und in diesem Fall hatte der Gedankenmagier wohl recht. „Nicht nur Seetor wurde überrannt. Die Eldrazischwärme nehmen sich alles. Sie sind überall. Ich habe sie selbst gesehen. Wenn wir jetzt nicht handeln, wenn wir jetzt nicht zurückschlagen, dann ist diese Welt verloren. Alles und jeder auf ihr wird vernichtet werden.“

Tazri spießte Gideon mit dem Blick ihrer hellen Augen förmlich auf. „Außer dir. Du wirst einfach fortgehen.“

Gideon blinzelte überrumpelt von ihrer Anschuldigung, doch ehe er etwas erwidern konnte, erhob der Hauptmann die Stimme. „Schluss jetzt!“ Einen Augenblick lang klang es, als sei die alte Kraft des Hauptmanns zurückgekehrt und als würde er wieder Befehle über das Schlachtfeld brüllen. „Hört auf damit, solchen Krawall um mich herum zu veranstalten und tretet endlich zurück. Lasst einem alten, sterbenden Mann ein wenig Luft zum Atmen, ja?“ Er sprach zu den Heilern. „Eure Arbeit hier ist getan.“ Er nickte ihnen mit festem Blick zu. „Ich danke euch für alles, was ihr getan habt, doch nun ist es vorbei.“ Er blickte an den Heilern vorbei. „Tazri, Gideon. Kommt her. Es ist nicht viel Zeit.“

Als die Heiler gesetzten Schrittes und mit düsteren Mienen zurücktraten, näherten sich Tazri und Gideon.

„Ich sterbe und ihr streitet euch hier.“

„Mein Herr“, setzte Tazri an, doch Vorik fiel ihr ins Wort.

„Jetzt ist nicht die Zeit für Streitereien. Jetzt ist die Zeit, zuzuhören. Einander. Ihr beide seid die wichtigsten Ressourcen füreinander.“

Gideon warf Tazri einen Blick zu, doch sie starrte weiter mit versteinertem Gesicht auf Vorik.

„Und wenn ihr schon nicht aufeinander hört, dann wenigstens auf mich.“ Vorik setzte sich eine Winzigkeit auf. „Ich habe euch etwas Wichtiges mitzuteilen.“ Er leckte sich über die trockenen Lippen, doch seine Zunge war noch ausgedörrter. Schuppen rieselten von beidem herab. Er räusperte sich. „Als ich dort auf dem Schlachtfeld in der Klemme steckte, als dieses Eldrazimonstrum mich mit seiner verderbten Essenz durchdrang ... Das war das Schrecklichste, was ich jemals erlebt habe.“

Gideon spannte jeden Muskel an.

„Doch in diesem Augenblick spürte ich keinen Schrecken. Kein Bedauern. Nein. Ich fühlte Erleichterung. Ich schäme mich, es zuzugeben, aber es ist die Wahrheit. Ich spürte Erleichterung, dass mir ein leichter Ausweg vergönnt war – dass ich nicht bleiben und das mit ansehen musste, was als Nächstes kommen würde.“

Neben Gideon rührte sich Tazri unruhig.

„Doch dann dachte ich an meine Leute“, sagte Vorik. „Ich dachte an die Zendikari, und ich fühlte Bedauern. Ich wäre fort und sie wären noch hier. Ihr wäret noch hier. Ihr müsstet mit ansehen, wie die Welt endet.“ Vorik hielt inne, um ein Husten zu unterdrücken. „Doch nun habe ich Hoffnung“, stieß er mit erstickter Stimme hervor. „Ich habe Hoffnung, dass es nicht wahr ist. Ich habe Hoffnung, dass es noch eine Chance für Zendikar gibt. Gideon Jura, du hast mir Hoffnung gebracht.“ Er hob einen Finger.

Gideon dachte, Vorik wollte ihnen bedeuten, dass sie warten sollten, bis er einen weiteren Hustenanfall unterdrückt hatte . . . doch dann erkannte er es.

„Seetor“, sagte Vorik und hielt den Finger hoch. Dann richtete er ihn auf Gideon. „Diese Leute müssen auf die gleiche Weise beflügelt werden, wie du mich beflügelt hast. Sie müssen Hoffnung finden, genau wie ich. Sie brauchen einen Anführer, der stets nur den Sieg vor Augen hat, ganz gleich, unter welchen Umständen. Wenn ich fort bin, wirst du diese Leute führen. Ihr werdet Seetor zurückerobern, Generalhauptmann Jura.“

„Mein Herr“, stammelte Gideon. Der Titel . . .

„Nein“, entfuhr es Tazri.

„Tazri.“ Vorik blickte seine Beraterin an. „Du bist stark und tapfer und warst mir eine treue Beraterin. Doch du bist mir zu nahe. Mir, meinen Ideen, Zendikar. Diese Welt braucht eine neue Sicht auf die Dinge. Diese Leute brauchen etwas Neues, woran sie glauben können.“

„Aber . . .“

„Du kennst Zendikar besser als jeder andere, vielleicht besser als ich selbst. Und deshalb braucht der Hauptmann deine Hilfe. Du wirst ihm zur Seite stehen, wie du mir zur Seite gestanden bist.“

„Das könnt Ihr nicht tun, mein Herr“, sagte Tazri. „Er stammt nicht einmal von Zendikar!“

Vorik hustete erneut. Es war ein rauer, papierner Laut, der einen Brocken Verderbnis von der Größe einer Münze zutage förderte. Er rang um Atem und schüttelte den Kopf. „Es ist nicht wichtig, woher er stammt, Tazri. Er ist ebenso störrisch wie alle Zendikari.“

Vorik fasste schwach nach Gideon, der seine Finger um die welkende Hand des Hauptmanns schloss.

„Bewahre dir diese Haltung“, sagte Vorik. „Bewahre dieses Land.“

„Das werde ich, mein Herr“, schwor Gideon.

„Ich überlasse Zendikar dir, Gideon.“ Die Worte gingen in einem Husten unter, der die Lungen des Hauptmanns zu zerreißen schien. Sein Körper verkrampfte sich, und dann wurde seine Hand in Gideons schlaff.

Das Begräbnis fand bei Sonnenaufgang am Rande des Polyeders statt, mit weitem Blick über das Land.

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Die Zendikari sangen Hymnen. Ihre Stimmen erklangen erst tief und stark, um sich dann zu etwas Wildem und Kühnem aufzuschwingen.

Gideon fiel ein, wann immer er konnte, doch Tazris Seitenblicke gaben ihm zu verstehen, dass er falsch sang.

Hauptmann Voriks Leichnam wurde sorgfältig in Tücher gehüllt, und die Zendikari bildeten einen Kreis um ihren gefallenen Anführer. Der Reihe nach kniete jeder von ihnen nieder, nahm ein Stück Holzkohle und malte ein Zeichen auf das Leichentuch, während er leise eine Botschaft flüsterte.

Nun war Gideon an der Reihe.

„Wenn du nicht weißt, was du sagen sollst, dann sag besser gar nichts“, zischte Tazri ihm zu, als er auf Voriks Leichnam zutrat.

Gideon kniete nieder. Er nahm die Holzkohle auf und machte schweigend sein Zeichen.

Tazri hatte recht: Er kannte die Worte der Begräbniszeremonie nicht. Doch er wusste, was er sagen wollte.

Er stand auf, sog tief die Luft Zendikars ein und ließ sich vom Duft des wilden Landes durchströmen. Er schaute die Menschen auf dem Himmelsfelsen an – seine Leute. „Heute haben wir viel verloren“, begann er. „Nicht nur unseren Hauptmann. Wir sind hier ohne unseren Anführer, unseren Auserwählten, unser Licht, das uns führt. Wie auch der Leuchtturm in Seetor stand Vorik stets aufrecht, selbst im Angesicht unseres größten Widersachers. Und obgleich er nun von uns gegangen ist, müssen wir es ihm in dieser Aufrichtigkeit gleichtun, denn wir stehen dem schlimmsten Feind gegenüber, den Zendikar je gesehen hat.

Auf die gleiche Weise, wie die Verderbnis uns unseres Freundes beraubt hat, so berauben uns die verderbten Ungeheuer unseres Landes. Jeden Tag ein bisschen mehr. Jeden Tag werden sie zahlreicher. Jeden Tag nehmen sie mehr. Und dies können wir nicht länger zulassen.“ Er deutete mit dem Kinn auf Voriks Leichnam. „Wir haben gesehen, was geschieht, wenn sie ungehindert wüten können. Wir können nicht zulassen, dass das, was unserem Anführer widerfahren ist, auch dieser Welt widerfährt.“

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Er hielt inne und blickte in die eingefallenen, müden Gesichter. „Wir haben hier und heute die Wahl. Wir können uns entscheiden, den Himmelsfelsen zu verlassen. Binnen einer Woche sind wir bereit, weiterzuziehen. Wir haben Vorräte und Nahrung. Am Hafen warten Boote auf uns. Wir können uns nach Zulaport zurückziehen.“

Ängstlich hörten die Menschen ihm zu.

„Doch wenn dies unsere Entscheidung ist, dann werden viele von uns es nicht schaffen. Die Reise wird gefährlich sein. Im ganzen Land und auf dem Wasser werden wir auf Aberhunderte von Eldrazi treffen. Ich habe das Meer überquert. Ich habe die Eldrazi in Ondu, Kabira, Fort Keff und an allen Orten dazwischen gesehen. Sie sind überall. Und jeden Tag werden es mehr. Vielleicht sind sie bereits in Zulaport. Vielleicht finden die von uns, die es bis dorthin schaffen, nichts weiter als Eldrazi.“

Tazri wollte widersprechen, doch Gideon hob die Hand und fuhr fort. „Vielleicht jedoch steht die Festung auch noch. Doch wenn das so ist – wie lange noch? Wie lange wird ihnen überhaupt noch irgendetwas standhalten?“ Er warf einen Blick zu Tazri. „Das ist ungewiss, doch wenn wir Zulaport wählen, dann wird die Zeit kommen, dass Zulaport fällt. Es wird fallen, wie Seetor gefallen ist und wie jeder andere Teil Zendikars fällt. Wählen wir den Rückzug, gehen wir gemeinsam mit dieser Welt unter.“

Es war eine grausame Wahrheit, aber es war die Wahrheit, und diese Menschen verdienten es, sie zu hören. Sie mussten die Wahrheit sehen.

„Doch wir haben noch eine andere Möglichkeit“, sagte Gideon. „Wir können uns entschließen, zurückzuschlagen. Wir können uns entschließen, nicht länger davonzulaufen. Wir können uns entschließen, zum Angriff überzugehen. Dazu, dieser denkbar größten aller Widrigkeiten aufrecht und standhaft entgegenzutreten. Ich stehe heute hier vor euch als euer Hauptmann, und ich sage: Wir kämpfen! Ich bitte euch, mir zu helfen. Helft mir, jeden Zendikari, der bereit zum Kämpfen ist, aus allen Winkeln der Welt und von jedem Kontinent um mich zu scharen. Wir werden genau hier auf dem Himmelsfelsen zusammenkommen. Die gesamte Stärke Zendikars wird an einem Ort vereint sein, und mit dieser Streitmacht werden wir zurückschlagen. Und mit der Macht des Landes hinter uns können wir nicht verlieren. Mit dieser Macht werden wir Seetor zurückerobern.“

Ein Raunen ging durch die Menge, doch Gideon fuhr fort. Es gab noch mehr, was sie hören sollten. Noch mehr, was er zu sagen hatte. „Seetor ist das Herz dieser Welt. Ihre strategischste Position. Voller Waffen, Nahrung und Vorräte. Wehrhaft und gut zu verteidigen. Seine Rückeroberung ist nur der erste Schritt. Von dort aus führen wir unseren eigenen Angriff. Wir werden zu Jägern. Wir stellen den Eindringlingen nach. Wir löschen die Verderbnis aus. Wir schwärmen durch das ganze Land aus und holen uns das zurück, was uns gehört.“ Er schwang sein Sural durch die Luft. „Wir holen uns Zendikar zurück!“

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Er blickte die versammelten Zendikari der Reihe nach an. „Wer ist dabei?“

Nach einem langen Augenblick hob Seble die Faust. „Für Zendikar!“

„Für Zendikar!“ nahm Abeena ihren Ruf auf.

Jubel brandete mit solcher Wucht aus der Menge auf, dass die Stimmen den Polyeder erbeben ließen, auf dem sie standen. „Für Zendikar!“

Gideon blickte zu Tazri, die mit vor der Brust verschränkten Armen neben ihm stand.

„Ich werde nicht fortgehen“, schwor Gideon. „Ich werde hier sein, wenn das Ende kommt.“

Tazri blickte ihn an.

„Darauf gebe ich dir mein Wort“, sagte er. „Ich werde für Zendikar kämpfen.“

Der Reif um Tazris Hals gleißte auf, und sein Licht spiegelte sich in den Tränen, die ihr in den Augen standen. Sie nickte.

„Für Zendikar, Hauptmann. Für Zendikar kämpfe auch ich.“

Veröffentlicht in Uncharted Realms on 9. September 2015

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Re: Kampf um Zendikar

Beitrag von Vindicator » Mi 16. Sep 2015, 12:25

Jetzt kann ich mich nicht mehr davor drücken, hier also die neuen Mechaniken aus BfZ. Insgesamt gibt es acht neue bzw wiederkehrende, vier für die Zendikari und vier für die Eldrazi.
ZENDIKARI
AWAKEN (ERWECKEN)
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de_rU0CrkrtQ7.png (165.06 KiB) 2602 mal betrachtet
Das Land von Zendikar wusste schon immer, sich selbst zu verteidigen. Auf einigen Spontanzaubern und Hexereien findest du Erwecken – eine Fähigkeit, die deine Länder zum Leben erwecken kann, damit sie sich dem Kampf anschließen können.

Erwecken hat zwei Teile: eine Zahl und die Erwecken-Kosten. Wenn du einen Zauberspruch wirkst, der Erwecken hat, musst du dich entscheiden. Du kannst ihn ganz normal wirken, indem du seine Manakosten bezahlst. Falls du das tust, erhältst du seinen ersten Effekt. Du kannst also, falls dir eine Kreatur oder ein Planeswalker Probleme machen und du 1BB übrig hast, ganz normal den Verhängnisvollen Pfad wirken.

Du könntest dich dazu entscheiden, einen Zauberspruch für seine Erwecken-Kosten zu wirken. Falls du das tust, musst du ein Land, das du kontrollierst, als Ziel des Zauberspruchs bestimmen. Wenn der Zauberspruch verrechnet wird, geschieht zusätzlich zum ersten Effekt Folgendes: Das Land deiner Wahl wird zu einer 0/0 Elementarwesen-Kreatur mit Eile. Es ist immer noch ein Land. Du legst außerdem eine bestimmte Anzahl an +1/+1-Marken auf dieses Land. Solltest du also 5BB übrig haben, könntest du den Verhängnisvollen Pfad für seine Erwecken-Kosten wirken. Die Kreatur bzw. der Planeswalker des Gegners wird neutralisiert und auf deiner Seite steht eine 4/4 Landkreatur zum Angriff bereit. Das Land behält seine Manafähigkeit, du kannst es also immer noch für Mana tappen, falls nötig. Wenn du mit der Erwecken-Fähigkeit Kreaturen aus ihnen machst, gibt ihnen das keine Farbe.

Ein paar Dinge solltest du im Hinterkopf haben: Solltest du einen Zauberspruch für seine Erwecken-Kosten wirken, musst du für jedes Vorkommen von „deiner Wahl“ ein legales Ziel bestimmen, die Erwecken-Fähigkeit eingeschlossen. Das bedeutet: Du kannst den Verhängnisvollen Pfad nicht wirken, ohne eine Kreatur oder einen Planeswalker deiner Wahl zu bestimmen, selbst wenn du eigentlich nur eine Landkreatur erzeugen möchtest. Falls du einen Zauberspruch wirkst, ohne Erwecken zu verwenden, ignorierst du die Ziel-Anforderung der Erwecken-Fähigkeit.

Das bedeutet auch, dass du einem Zauberspruch, der normalerweise kein Ziel benötigt, ein Ziel hinzufügst, wenn du ihn für seine Erwecken-Kosten wirkst. Falls das Land deiner Wahl ein illegales Ziel wird, bevor versucht wird, den Zauberspruch zu verrechnen, wir er neutralisiert. Du erhältst dann keinen seiner Effekte, auch nicht den ersten Effekt, der kein Ziel benötigt hat.

RALLY (ZUSAMMENKUNFT)
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de_RJLHXypQ9c.png (173.05 KiB) 2602 mal betrachtet
Nur gemeinsam können die Zendikari überleben wie diese Fähigkeit verdeutlichen soll.
Zusammenkunft ist ein Fähigkeitswort und hat regeltechnisch keine Bedeutung, aber es betont Fähigkeiten, die immer dann ausgelöst werden, wenn die Kreatur mit der Fähigkeit oder ein anderer Verbündeter unter deiner Kontrolle ins Spiel kommt.

Jedes Mal, wenn ein Verbündeter unter deiner Kontrolle ins Spiel kommt, werden all deine Zusammenkunft-Fähigkeiten ausgelöst. Diese Fähigkeiten kannst du in beliebiger Reihenfolge auf den Stapel legen. Die letzte auf den Stapel gelegte Fähigkeit wird als Erstes verrechnet, und so weiter. Kommt ein Verbündeter mit Zusammenkunft zur gleichen Zeit wie andere Verbündete unter deiner Kontrolle ins Spiel, wird diese Fähigkeit für jeden dieser Verbündeten und einmal für die Kreatur mit der Zusammenkunft-Fähigkeit selbst ausgelöst.

CONVERGE (KONVERGENZ)
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de_u35IkOK0eN.png (191.77 KiB) 2602 mal betrachtet
Konvergenz ist ein weiteres Fähigkeitswort ohne regeltechnische Bedeutung. Es betont Effekte von Zaubersprüchen, die davon abhängen, wie viele verschiedene Manafarben du verwendest, um sie zu wirken.

Um Strahlende Flammen zu wirken, musst du 2R bezahlen. Eine Farbe ist bereits festgelegt, aber die anderen beiden Mana kannst du nach Belieben bezahlen. Du könntest drei rote Mana bezahlen, um die Strahlenden Flammen zu wirken. Sie fügen dann jeder Kreatur 1 Schadenspunkt zu. Wenn du jedoch drei verschiedenfarbige Mana bezahlst, also beispielsweise BRG oder URW, fügen die Strahlenden Flammen jeder Kreatur 3 Schadenspunkte zu.

Die Manakosten jedes Zauberspruchs stellen hierbei das Limit dar. Du kannst für die Strahlenden Flammen nicht WUBRG bezahlen, weil du dickere Kreaturen abfackeln möchtest, indem du ihnen je 5 Schadenspunkte zufügst. Zwingt ein Effekt dir zusätzliche oder alternative Kosten auf, um einen Zauberspruch mit Konvergenz wirken, zählt das Mana, das du tatsächlich ausgegeben hast. Falls du also aus irgendeinem Grund ein Mana mehr bezahlen musst, um deine Zaubersprüche zu wirken, kannst du mit den Strahlenden Flammen auf 4 Schadenspunkte hochschrauben. Das Ganze funktioniert aber auch andersherum, sollten deine Zauber weniger Mana kosten. Falls du aus irgendeinem Grund ein Mana weniger bezahlen musst, um deine Zaubersprüche zu wirken, kannst du mit den Strahlenden Flammen jeder Kreatur nur bis zu 2 Schadenspunkte zufügen.

Beachte: Wird ein Zauberspruch mit Konvergenz auf dem Stapel kopiert, dann wird die Kopie auf dem Stapel erzeugt. Kein Mana wurde ausgegeben, um die Kopie zu wirken, daher auch keine unterschiedlichen Manafarben verwendet. Die Kopie wird also vermutlich keinen großen Effekt haben …

LANDFALL (LANDUNG)
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de_1D6S0xsPRc.png (189.44 KiB) 2602 mal betrachtet

Landung war bereits im ursprünglichen Zendikar-Block eine mächtige Mechanik und nun ist sie wieder da. Landung ist ein weiteres Fähigkeitswort, und Landung-Fähigkeiten werden immer ausgelöst, wenn ein Land unter deiner Kontrolle ins Spiel kommt.

Dabei ist egal, wie das Land unter deiner Kontrolle ins Spiel kommt. Du könntest es normal spielen. Vielleicht wird es auch durch einen Effekt ins Spiel gebracht. Es spielt keine Rolle. Jedes Land löst all deine Landung-Fähigkeiten aus und du bestimmst die Reihenfolge. Einige Landung-Fähigkeiten, wie die der Oran-Rief-Hydra, haben sogar Bonus-Effekte, wenn das ins Spiel gekommene Land einen bestimmten Standardlandtyp hat. Das sind nicht nur Karten, die zum Beispiel Wald heißen. Auch jedes Nichtstandardland, das den Standardlandtyp Wald hat, beschert der Oran-Rief-Hydra zwei +1/+1-Marken.
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Re: Kampf um Zendikar

Beitrag von Judge Fredd » Do 17. Sep 2015, 10:00

Toll zusammengefasst. Sehr übersichtlich. Danke.
Aber eine Frage hätte ich da noch.
Das bedeutet auch, dass du einem Zauberspruch, der normalerweise kein Ziel benötigt, ein Ziel hinzufügst, wenn du ihn für seine Erwecken-Kosten wirkst. Falls das Land deiner Wahl ein illegales Ziel wird, bevor versucht wird, den Zauberspruch zu verrechnen, wir er neutralisiert. Du erhältst dann keinen seiner Effekte, auch nicht den ersten Effekt, der kein Ziel benötigt hat.
Es heißt doch lege "außerdem" X +1/+1 Marken. Wenn jetzt das Land z.B. zerstört würde oder mit einer Shroud Fähigkeit ausgestattet wird, ändert das noch nichts am ursprünglichen Effekt des Spruchs.

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Re: Kampf um Zendikar

Beitrag von Vindicator » Do 17. Sep 2015, 14:16

Das liegt daran, dass du nur einen Spruch wirkst und nicht zwei. Awaken hat keine eigenen Spruchkosten in dem Sinn - die Spruchkosten die du wirkst fügen zum Originalspruch den Awaken Effekt hinzu. Das außerdem bezieht sich darauf, dass nach dem ersten Teil des Spruches ein zweiter Teil folgt.
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