Abenteuerbericht einer talentierten Nachwuchsautorin und Rollenspielerin

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Rotfuchs
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Abenteuerbericht einer talentierten Nachwuchsautorin und Rollenspielerin

Beitrag von Rotfuchs » Mo 31. Mai 2021, 16:57

Liebe Freunde!

Da langsam wirklich wieder ein wenig Licht am Ende des Coronatunnels zu sehen ist und unser Meister Judge Fred bereits die Recken Golarions zusammenruft, um den Kampf gegen außerweltliche Unwesen aufzunehmen, habe ich eine kleine Rollenspielüberraschung für euch, die dazu dienen soll, euch in die richtige Stimmung zu versetzen.

Im Frühling dieses Jahres war ich mit einer Freundin und ihren drei Kindern in den Klosterneuburger Auen unterwegs und sie spielten ein "Abenteuerspiel", bei dem man erzählt, was die Helden machen und bei dem es einen Geschichtenerzähler gibt. Mir kam sofort der Gedanke, dass da doch jemand ein Rollenspiel spiele, ohne es direkt beim Namen zu nennen.
Ich kürze meine Erzählung ab und sage nur, dass ich kurz darauf improvisiert für die drei ein Abenteuer meistern musst und mich für den Erzählhintergrund ganz faul einfach bei einem meiner Lieblingsabenteuer von DSA bediente, nämlich "Den Höhlen des Seeogers". Wir kamen aus den Auen heraus und fuhren zurück nach Wien und es wurde lauthals gefordert, dass es sowohl im Auto als auch danach weiterging und daheim kamen dann noch Würfel, Papier und Stifte, sowie ein supersimples Regelsystem dazu. Das ging so lange, bis es dann wirklich Zeit für das Ende des Tages und eine Unterbrechung des Abenteuers wurde. So weit, so nett. Eine der Abenteuerinnen, die zwölfjährige :!: L.S. hatte währenddessen auf einem Block ständig mitnotiert und überraschte mich zwei Wochen später mit ihrem Abenteuerbericht.
Diese Erzählung ist so gut geworden, dass ich sie euch einfach präsentieren muss. Also viel Spaß beim Lesen und bitte kommentiert und lobt fleißig diese tolle Schreibleistung, wenn sie euch genauso gut gefällt wie mir. Ich werde sie der Autorin weiterleiten :D
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Die vier Gefährten

In einem schäbigen Gasthaus, am Rande der Stadt Hafenstadt, saßen vier Menschen an einem Tisch. Wobei, Menschen ist hier wohl der falsche Ausdruck. Sie waren eine bunt gemischte Gruppe von verschiedensten Teilen dieser Welt. Viele Gefahren schon hatten sie zusammen überstanden und sich geschworen, durch aller Herren Länder zu ziehen und Gutes zu tun. Ein Mensch war wohl dabei, wenn auch von ungewöhnlich hohem Wuchs und offensichtlich großer Stärke. Er war ein Krieger des Stammes Norwolei, eines fast schon ausgestorbenen Volkes der Menschen, deren Existenz schon beinah vergessen war. Neben ihm saß eine Frau, von eher kleiner Gestalt, doch sah man ihr an, dass sie sich mit ihrem Verstand in einem Kampf besser behaupten konnte als so mancher Krieger mit Schwert und Schild.
Diese Frau war eine Hexe mit der seltenen Gabe, jedes Wesen zu ihrem Freund zu machen, sähe sie ihm nur für einen Moment in die Augen. Selbst die Gedanken eines Menschen blieben nicht vor ihr verborgen. Auch in der Gruppe dabei war ein Ninja, der die Fähigkeit in den Schatten zu wandeln und so nahezu unsichtbar zu sein, seinen Lebtag perfektioniert hatte. Wenn er es wollte, würde man ihn kaum bemerken, stände er nur wenige Meter von einem entfernt. Und wenn er lief, dann war er so schnell, dass niemand ihn einholen konnte. Die Vierte, die an dem Tisch saß, war eine Elbin, die so zart und fragil sie auch aussah, eine wendige und kampferprobte Bogenschützin war, die auf zehn Meter Entfernung einen Floh aus dem Pelz eines Hundes schießen konnte und gleichzeitig die Macht besaß, jedem lebendigem Wesen mithilfe eines Lichtblitzes den Sinn des Sehens zu nehmen. Doch wie es das Schicksal eben wollte, waren diese vier unterm Hund angekommen. Mit ihrem letzten Geld hatten sie sich in diesem Gasthaus noch je ein Getränk gekauft. Gerade überlegten sie, wo sie diese Nacht schlafen sollten. Die Zimmer im Wirtshaus konnte sie nicht bezahlen, doch unter freiem Himmel zu schlafen kam auch nicht in Frage, da ein kalter, stechender Nieselregen aus den grauen Wolken über der kleinen Stadt viel. So überlegten sie hin und her, wogen jede ihnen zu Verfügung stehende Möglichkeit ab und verwarfen sie wieder. Die schöne Elbin, Alatriel war ihr Name, wollte gerade vorschlagen, im Wald, im Schutz der Bäume, ihr Lager aufzuschlagen, als eine Frau an den Tisch kam und den letzten freien Sessel zurückzog, um sich auf ihn zu setzten. Sie musterte alle ganz genau und als ihr Blick auf Morphy , den Krieger, fiel, schien ihr zu gefallen was sie sah.

>> Hey du,<< meinte sie und sah Morphy dabei direkt an. >> Du siehst mir nach einem aus, der einen Job für mich erledigen könnte. Es wartet dabei natürlich auch reichlich Belohnung. Also im Finanziellen Sinne natürlich<<

Morphy sagte erst mal nichts. Er musterte die geheimnisvolle Frau ganz genau. Sie war von oben bis unten in eine verwegene Lederkluft gekleidet, die aussah, als hätte sie schon so einiges mitgemacht. Ihr Gesicht war nahezu vollständig von einem großen Schlapphut mit breiter Krempe verdeckt. Er suchte ihren Blick und erkannte, dass ein stechend grünes Auge ihn stetig musterte und jede seiner Bewegungen zu verfolgen schien. Unter dem Hut fiel ihr eine Mähne aus roten Locken heraus. Erst jetzt erkannte er dass sich unter ihrer weiten Beinbekleidung deutlich ein langes Messer abzeichnete. Nach der Kante, die es in das Leder schlug, musste es ein ungemein scharfes und spitzes Messer sein.
Ihr nicht besonders vertrauenerweckendes Erscheinungsbild außer Acht lassend und stets an ihre Geldsorgen denkend, willigte Morphy ein.

>> Sehr gut. << meinte die Frau. >> Siehst du die Frau auf dem Tisch dort drüben?<< Fragte sie. Morphy nickte nur. >> Sehr gut. Wenn sie hier rüber kommt und Fragen stellt, dann sagt einfach; Ja alles gut, wir sind da Morgen dabei. Ihr Bruder ist in Sicherheit, wir werden das schon schaukeln. Nicht mehr und nicht weniger. Dass ihr mir da ja keinen Bullshit erzählt<<, sagte sie.

Alatriel warf einen schnellen Blick in Richtung der anderen Frau, die sie erwähnt hatte. Mit ihren scharfen Elbenaugen erkannte sie, dass die Frau doch so ziemlich das Gegenteil zu der verwegenen darstellte, die gerade neben ihnen saß. Sie war ein Mauerblümchen und obwohl sie erst höchstens Mitte Zwanzig sein konnte, trug sie eine große Brille, eine von der spießigen Art, und ihre Haare waren von grauen Strähnen durchzogen. ihr Kleid hielt sich in unauffälligen Grau- und Weißtönen. Doch was Alatriel trotz aller Unauffälligkeit nicht entging, war, dass alles was sie an Kleidung an sich trug, von der Brille bis zu den Schuhen, sehr teuer und von guter Qualität war.

Ohne noch etwas zu sagen, stand die mysteriöse Frau mit dem Schlapphut von dem Stuhl auf und ging. Sindea, die Hexe, wollte sich damit nicht zufrieden geben. Sie wussten doch weder was sie nun für das Geld tun sollten, noch wann sie es bekämen. Sie stand auf und ging los, auf die Frau in dem grauen Kleid zu. Doch die andere unbekannte drehte sich um und zischte:

>> Warte, oder es ist aus!<<

Sindea wagte es nicht, noch einen Schritt zu tun, denn auch sie hatte das Messer unter ihrer Kleidung bemerkt. Die Frau in dem grauen Kleid stand von ihrem Tisch auf und ging mit der anderen mit, die im Begriff war, das Gasthaus zu verlassen. Sindea erwachte aus ihrer Starre und setzte den beiden nach. Morphy versuchte noch sie aufzuhalten, doch noch bevor er sie erreichen konnte, schlug die Tür hinter ihr zu. Sindea trat heraus auf die Straße aus glitschigem Kopfsteinpflaster und schaute sich um. Der Nieselregen hatte nicht aufgehört, war eher noch stärker geworden. Da sah sie die beiden Frauen in einen kleinen Wagen steigen. Vor den Wagen war ein braunes Pferd gespannt. Das Gefährt sah einfach aus, nichts wirklich Besonderes. Oben war es mit einer Plane aus einfachem, gewachsten Stoff bespannt, der vor dem Regen schützte. Die Frau, die sie vorher angesprochen hatte, drehte sich zu ihr um, als ob sie gewusst hätte, dass Sindea ihnen gefolgt war. Sie sah sie direkt an, doch sie tat nichts, um sie aufzuhalten oder etwas dergleichen. Der Wagen fuhr los, tuckerte laut scheppernd über das Kopfsteinpflaster und war schon bald hinter der nächsten Ecke verschwunden. Sindea überlegte ob es wohl klug wäre, ihr hinterher zu laufen, sah aber ein, dass es keinen Sinn machen würde.
Bald schon saß sie wieder mit ihren Freunden im Gasthaus und Alatriel fragte sie.

>> Hast du irgendetwas Nennenswertes erfahren können?<<

Also erstattete sie Bericht, über was sie gesehen hatte: >> Die beiden sind zusammen mit einem kleinem Wagen weggefahren. Es wirkte fast so als wären sie Freundinnen. Mehr konnte ich nicht erkennen<<

Die Gefährten einigten sich erst einmal darauf, am nächsten Tag zur selben Zeit wieder hierher zu kommen, um vielleicht wieder auf die Frau mit dem Schlapphut zu treffen. Doch die Frage, wo sie die Nacht verbringen wollten, war immer noch nicht geklärt. Morphy ging also zu der Wirtin, einer drallen Frau, die gerade mit einem, zu Morphys Erleichterung recht sauberen Lappen, einen Bierkrug trocknete.

>> Guten Abend<< sprach Morphy sie an.

>> Ja was darf´s denn sein? Noch eine Erfrischung?<<, fragte sie.

>> Oh nein, vielen Dank. Ich wollte nur Fragen ob sie noch vier Zimmer für die Nacht frei hätten?<<, antwortete Morphy.

>> Ja, also Zimmer hätten wir noch frei,<< meinte die Wirtin. >> Je ein Slilberling pro Nase würd´s kosten. Wir haben aber auch noch einen Schlafsaal. Das wären dann nur vier Kupferlinge pro Nase.<<

Morphy dachte nach. Geld hatte sie keines mehr, also wie sollten sie die Unterkunft bezahlen?

>> Und vorzügliches Frühstück is‘ auch dabei,<< unterbrach sie seinen Gedankengang.

>> Besteht denn die Möglichkeit hinterher zu bezahlen?<< fragte Morphy.

>> Na du bist mir ja einer.<< meinte die dralle Frau. >> Also, wer bei mir schlafen will, muss auch anständig bezahlen.<< regte sie sich auf.

Morphy gab sich geschlagen und ging zurück an den Tisch, wo er seinen Weggefährten die Situation erläuterte.

>> Unterkunft bekommen wir hier nur gegen Geld,<< erklärte er >> und dieses Geld haben wir nicht<<.

Der Ninja, Naruto, stand auf, um ihr gejagtes Fleisch anzubieten, was sie jedoch auch ablehnte. Danach kam Alatriel zu der Wirtin und Bot ihr an, das gesamte Geschirr des heutigen Tages abzuwaschen.

>> Also nein. Das macht schon mein Junge für mich, << meinte sie.

Da kam Sindea die rettende Idee: >> Ich werde die gute Frau zu meiner besten Freundin machen<<

Sie stand auf und ging auf die Wirtin zu. >> Hallo,<< sagte sie erst nur.
>> Was solls denn sein?<< fragte die Wirtin.

>> Sagen sie mal, wie heißen sie denn? << fragte Sindea.

>> Meinen Namen wollen sie wissen? Also damit kann ich dienen. Ich heiße Mareike,<< antwortete die Wirtin bereitwillig.

>> Also gute Mareike. Schau mir mal tief in die Augen. Ja, du hast ja so schöne Augen. Welche Farbe ist das denn? <<

Mareike sah der Hexe nur für einen kurzen Moment in ihre magischen Augen, doch selbst diese kurze Zeitspanne reichte schon aus, den Zauber ihrer Augen wirken zu lassen.

>> Ach Sindea, wir haben uns doch schon so lange nicht mehr gesehen. Wie läuft es bei dir? Ach weißt du noch damals in der Schule?<< begann sie.

Der Zauber hatte seine Aufgabe erfüllt. Doch nun musste Sindea etwas sagen. Da dieses angebliche Erlebnis in der Schule nie stattgefunden hatte und sie somit nicht korrekt darauf antworten konnte, sagte sie nur >> Jaja, die Schule.<<

Mareike begann zu lachen und fügte noch hinzu >> Hahah damals in der Schule als ich alles hingeschmissen habe und Wirtin geworden bin.<<

Sindea stieg aus der Not heraus in diese Unterhaltung ein, als die Wirtin sie fragte: >> Ja meine liebe Freundin, willst du nicht heute in meinem Gasthaus übernachten? Ich lasse ein wenig Kuchen bringen und wir tratschen ein bisschen. Na was meinst du? <<

>> Das klingt ganz toll liebe Mareike, aber ich kann meine Freuden nicht im Stich lassen, << meinte Sindea, in der Hoffnung, Mareike würde ihren Freunden nun auch Zimmer anbieten.

Wie sich herausstellte ging diese Hoffnung in Erfüllung. Alatriel und Morphy gingen hinauf in den Schlafsaal, der sich als ein alter, staubiger Dachboden entpuppte. Als Matratzen dienten bloß ein paar Strohsäcke, auf denen je eine dünne Wolldecke lag. Bis auf die beiden war der Schlafsaal leer. Gänzlich anders standen die Dinge bei Sindea. Sie bekam ein Einzelzimmer mit einem herrlich weichen Federbett. Auch ein kleiner Schrank stand in dem behaglichen Zimmer. In einem Kamin knisterte ein Feuer stetig vor sich hin und eine Kerze spendete zusätzliches Licht. Sie und die Wirtin tratschten noch eine Weile, doch bald schon wurden die beiden müde und sie gingen schlafen. Der einzige, der noch nicht schlafen gehen wollte, war Naruto. Er saß noch lange an ihrem Tisch in der Gaststube und dachte nach.
Wenn man durch die Lande zog und der bösen Menschen Pläne vereitelte, machte man sich viele Feinde. Zazuke war einer davon. Er war der größte Rivale den Naruto je hatte, jemand, den man lieber nicht zum Feind wollte. Als er da so saß und nachdachte, hörte er wie die sonst so quietschende Tür des Gasthauses so leise aufging, dass er es nahezu überhört hätte. Mit einem leisen ,, Klick´´ fiel die Tür ins Schloss. Er schaute auf und sah die Frau mit dem Schlapphut in die Gaststube treten. Langsam kam sie auf ihn zu und er sah, dass sie nun auf beiden Seiten je ein scharfes Messer trug.

>> Na<< begrüßte sie ihn. >> Wo sind denn deine Freunde?<<

Ihre Stimme klang bedrohlich und sie kam ermessenen Schrittes weiter auf ihn zu.

>> Ich hatte deiner kleinen Freundin doch gesagt, sie solle warten. Sie ist also eine von der ungeduldigen Sorte. Gut zu wissen, << meinte sie. >> Also hör zu, << sagte sie.

Naruto blieb stumm, wartete ab, was folgen würde.

>> Ich bin Shinway. Die Frau in dem biederem Kleid, die heute hier war, das ist Eleonore Strassund. Ihre Eltern hatten ein großes Handelsunternehmen bevor irgendeine Seuche sie dahingerafft hat. Die Sache ist, sie und ihr kleiner Bruder, der ist gerade mal sechzehn, haben einen riesen Haufen Kohle geerbt. Aber der kleine Bengel, Johannes heißt der Junge, wurde von Piraten entführt. Ganz üble Burschen. Die haben einen Brief geschrieben und Lösegeld verlangt. Die sagen, sie köpfen ihn, wenn es nicht bald bei ihnen ankommt. Also hat Eleonore alles verkauft. Bis auf den letzten Kahn. Morgen soll das Geld zu dem vereinbarten Treffpunkt geliefert werden. Das ist ein ganzer Haufen Schotter, der da einfach so über die Straßen von Hafenstadt fährt, leichtes Ziel für Räuber. Und es wäre doch schade, wenn sie das Lösegeld nicht abliefern kann. Mich hat sie gefragt, ob ich sie nicht eskortieren könnte. Ich habe natürlich eingewilligt, aber ich habe eigentlich noch was ganz anderes vor. Wenn wir erst aus der Stadt raus sind, überfallen wir diese Eleonore, schnappen uns das ganze Lösegeld und machen uns irgendwo in einer anderen Stadt ein schönes Leben. Wir würden uns das Geld natürlich aufteilen, sechzig, vierzig. Sechzig Prozent für mich und vierzig für euch. Einverstanden? Und wenn du diesen Deal jetzt eingehst, dann sprichst du für alle deiner kleinen Gruppe, Ja?<<

Naruto dachte nach. Einerseits wollte er doch Gutes tun, immerhin stand das Leben eines Junges auf dem Spiel. Andererseits brauchte er doch dringend Geld.

>> Ja, wir haben einen Deal,<< meinte Naruto. >> Gut, dann treffen wir uns morgen, wenn die Glocke Sieben schlägt, beim Westtor der Stadt.<<

Gerade wandte sie sich zum Gehen, als sie sich noch einmal umdrehte.

>> Und, damit du eines weißt, Shinway betrügt man nicht, << meinte sie und funkelte ihn mit ihren stechend grünen Augen unter dem Hut hinweg an.

Dann drehte sie sich um und verschwand fast lautlos aus der Gaststube. Naruto merkte erst jetzt, wie angespannt er die ganze Zeit über gewesen war. Jetzt entspannte er seine Schultern und überlegte was er tun sollte. Er entschloss sich dazu, seine Gefährten aufzuwecken und mit ihnen zu beratschlagen. Er ging also die Treppe hoch, suchte im Obergeschoss nach Sindeas Zimmer. Er hielt sich nicht damit auf, anzuklopfen, wenn Sindea schliefe, würde sie es sowieso nicht hören. Leise drückte er die Klinke hinunter und betrat den Raum. Neidvoll sah er das weiche Federbett in dem sie schlief und bedauerte es fast, sie aus ihrem tiefen, angenehmen Schlaf wecken zu müssen. Doch er meinte, dass es nicht länger warten konnte, ihnen zu erzählen, was er gerade in Erfahrung gebracht hatte. Also ging er an ihr Bett und rüttelte sie aus dem Schlaf. Sindea schlug reflexartig mit geballter Faust in die Höhe, doch Naruto war darauf gefasst und wich dem Schlag aus.

>> Oh Naruto, du bist es,<< stellte sie fest. >> Warum weckst du mich aus meinem gesegnetem Schlaf? Wenn du keinen guten Grund dafür nennen kannst, dann mach ich dich fertig.<<

>> Oh Sindea, einen guten Grund habe ich. Unsere Schlapphutfreundin hat mich besucht. Komm hinauf in den Schlafsaal ich will dir und den anderen erzählen, was sie mir erzählt hat.<<

Naruto ließ sie allein und ging hinauf in den Schlafsaal, um noch die anderen zu wecken. Als alle sich auf dem Dachboden versammelt hatten, begann Naruto zu erzählen.

>> Unsere Freundin mit dem Schlapphut war wieder hier. Ich saß noch unten in der Gaststube, als sie auf einmal herein kam. Und ihr werdet nicht glauben, was sie mir erzählt hat. Die mausgraue Frau von dem anderem Tisch hat einen Haufen Lösegeld für ihren Bruder bei Piraten abzuliefern. Eleonore hat Shinway, so heißt die Frau mit dem Schlapphut, angeheuert, den Wagen auf dem Weg zum Treffpunkt zu beschützen, weil es viel Geld ist, das sie transportiert. Aber nun sage ich euch, was sie eigentlich vorhat. Sie will Eleonore auf dem Weg überwältigen und sich das Geld schnappen. Wenn wir ihr helfen, hat sie behauptet, bekommen wir vierzig Prozent des Geldes. Jedoch, wenn das Geld nicht zu den Piraten kommt, wird ihr Bruder enthauptet. Das sagt jedenfalls Shinway, ob es stimmt oder nicht, da können wir nicht sicher sein. Ich bin dafür, dass wir Shinway auf dem Weg selbst überwältigen und und uns das ganze Geld schnappen, << endete er seinen Bericht.

>> Aber Naruto, das können wir nicht machen. Das leben eines Jungen steht auf dem Spiel. Er stirbt, wenn wir das tun. Ich bin dafür, dass wir Shinway überwältigen. Dann kann Eleonore ihren Bruder retten und... <<

>> ... wir sind immer noch bankrott<< unterbrach Narut Morphys Ansprache.

>> Ja das stimmt schon, aber vielleicht gibt uns Eleonore ein wenig Geld weil wir ja quasi ihren Bruder gerettet haben, << meinte Morphy noch.

>> Darauf würde ich nicht hoffen,<< warf Alatriel ein. >> Wie sich das für mich anhört gibt sie gerade ihr letztes Hemd, um ihren Bruder zu retten. Shinway überwältigen sollten wir jedoch trotzdem, ich meine wir sind doch keine Unmenschen. <<

>> Ja, << meinte auch Sindea. >> Ich werde eine schläfrig machende Kräutermischung herstellen. Falls sich eine Gelegenheit bietet, mische ich ihr das ins Getränk. Wenn nicht, ... Ach es wird schon alles gutgehen. Jetzt sollten wir aber zusehen, dass wir alle noch zwei drei Stunden Schlaf bekommen. Gute Nacht, <<
sagte sie noch und ging wieder in ihr herrlich weiches Bett.

Auch Naruto ging jetzt schlafen und machte es sich so gemütlich, wie es auf einem Strohsack eben ging. Bald schon waren sie alle wieder eingeschlafen und verloren sich für ein paar erholsame Stunden in ihren Träumen. Als Alatriel am nächsten Morgen erwachte, war sie für einen Moment verwirrt. Was war am gestrigen Tag geschehen? Warum lag sie auf einem Dachboden in einen Strohsack gebettet? Da fiel ihr alles wieder ein. Nervös schaute sie auf eine schäbige alte Uhr, die an der Wand unter der niedrigen Decke hing. Zu ihrer Erleichterung war es erst sechs Uhr morgens. Geschwind weckte sie Naruto und Morphy auf und suchte sich dann noch den Weg in Sindeas Zimmer, um auch sie zu wecken. Nur ein wenig später saßen sie alle zusammen bei Tisch und aßen ein herrliches Frühstück, mit warmer Milch, die wohl direkt aus dem Euter kam, frisch gelegten Eiern und Brot, das eben erst aus dem Ofen kam, so warm war es noch. Alatriel biss gerade in ein wunderbares mit saftigen Schinken und hartgekochten Eiern belegtes Brot, als die Frau auf sie zukam, die wohl Eleonore war. Sie kam direkt auf Alatriel zu und streckte ihr überschwänglich die Hand entgegen.

>> Ach, du musst wohl Alatriel sein!<< begann sie. >> Ich wollte dir, nein euch allen noch einmal herzlich danken, dass ihr mir helft. Also, meine Eltern haben mir beigebracht, dass man die Leute, mit denen man zusammenarbeitet immer kennen sollte. Ja also, ich wollte euch nur nochmal danken.<<

Alatriel hatte ihre Hand genommen und nun schüttelte Eleonore sie mit beiden Händen.

>> Ich würde sie gerne noch auf ein etwas handfesteres Frühstück einladen, << bot Eleonore an. Alatriel dachte darüber nach, sagte dann aber: >> Vielen Dank, aber wir haben schon ein überaus leckeres Frühstück bekommen. Doch ein wenig
Wegzehrung wäre nicht schlecht. <<

>> Ja, das lässt sich natürlich einrichten. << Eleonore entfernte sich und ging zu der Wirtin. >> Bitte packen sie für meine lieben Freunde Proviant ein. Den besten Käse den sie haben. Und Brot. Auch Schinken könnten sie einpacken. Einfach alles was einen für einen langen Weg stärkt. Ich bezahle alles. Also keine Kosten und Mühen scheuen bitte, diese freundlichen Leute haben mir einen großen Gefallen getan.<<

Sogleich begann Die Wirtin duftendes Brot und würzigen Käse einzupacken. Nachdem sie ihre sieben Sachen zusammen hatten, packten sie noch den Proviant ein, den die Wirtin ihnen bereitgestellt hatte, und gingen los, nach Westen. Eleonore war schon vorausgegangen, um mit Shinway noch einige letzte Angelegenheiten zu klären, wie sie sagte. Sie würden etwa zehn Minuten zu Fuß brauchen, um das Stadttor zu erreichen. Sie alle versuchten, sich einen brauchbaren Plan auszudenken, doch keiner kam richtig zu einem Schluss, was sie tun konnten und ehe sie sich versahen, waren sie schon am westlichen Stadttor. Schon von Weiten sah Sindea den Unterschied an dem Wagen. Der Boden war durchgebogen, als würde eine schwere Last in der Mitte des Wagens stehen. Dort musste die Kiste mit dem Geld stehen, das sie den Piraten ausliefern sollten. Beim Näherkommen sah sie eine große, mit Eisen beschlagene Kiste, die mit vier großen Schlössern verhängt war. Als sie bei ihrer Auftraggeberin angekommen waren, warf Shinway Alatriel einen bedrohlichen Blick zu. Langsam kam sie auf sie zu, und trotz ihrer schweren Stiefel machten ihre Schritte kaum einen Laut. Sobald sie in Reichweite war, legte Shinway ihr die Hand auf die Schulter und führte sie ein Stück von ihren Gefährten weg. Alatriel überlegte, ob es einen Sinn hätte, zu versuchen, sich aus ihrem überaus festem Griff zu befreien, doch sie beließ es dabei, einfach mit Shinway mitzugehen, wie ein Schaf zu der Schlachtbank. Sie sollte keinen Verdacht schöpfen. Als sie außer Hörweite der Anderen waren, begann sie ihr eindringlich etwas zuzuflüstern.

>> Was hat dir dein Ninjafreund denn darüber erzählt, was ich ihm gesagt habe?<< fragte sie. Ihre Stimme war um einige Grad kühler geworden.

Alatriels Gedanken rasten. Was wollte Shinway, dass sie jetzt sagte? Hatte sie ihre Gespräche belauscht? Sie beschloss, nur das zu sagen, was Naruto ihr erzählt hatte, einen anderen Außweg konnte sie sich nicht denken.

>> Er hat uns alles gesagt, was er wusste, << meinte sie. >> Er hat uns gesagt, dass Eleonores Bruder entführt worden ist, und dass wir den Wagen auf dem Weg bewachen sollen, wir sie aber überfallen und das ganze Geld nehmen. So wie der Wagen durchgebogen ist, scheint es eine ganze Menge Geld zu sein. <<

>> Mehr hat er dir nicht gesagt?<< fragte sie.

>> Nein, << meinte Alatriel. >> Nur das, nicht mehr und nicht weniger. <<

Shinway ließ ihre Schulter los. Ihre Stimme hatte gegen Ende des Gesprächs mehr bedrohlich als eindringlich geklungen. Alatriel beeilte sich, zurück zu ihren Freunden zu kommen. Erst da bemerkte sie die vier Wachen vor dem Stadttor. Sie alle sahen müde aus, so als hätten sie eine lange Nachtschicht in einem kalten Nieselregen hinter sich und würden nur noch darauf warten, dass ihre Kollegen kamen, um sie abzulösen. Sie müssten wohl eine Zeit lang fahren, bevor sie Shinway überwältigen konnten. Aus dem Augenwinkel sah sie, dass Shinway jetzt Naruto an der Schulter packte, genau wie sie es zuvor bei ihr getan hatte.

>>Naruto << sagte sie zu ihm. >> Ich hoffe du hast dir gemerkt, was ich dir gestern gesagt habe. Ich erkläre es dir nicht noch einmal.<<

Ihre Hand lag auf seiner Schulter wie ein Schraubstock.

>> Vierzig Prozent für euch und sechzig Prozent für mich, nur noch einmal zur Auffrischung. <<

Ihre Hand schloss sich noch fester um seine Schulter, langsam begann es wehzutun, doch Naruto ließ sich nichts anmerken. Er wollte jedoch trotzdem nicht, dass sie ihn so fest im Griff hatte, dass er jeglichen Angriffen wehrlos ausgeliefert wäre. Er wand sich unter ihrem Griff, doch anstatt loszulassen, schloss sie ihre Hand noch fester.

>> Und merke dir, << sagte sie noch. Ihre Stimme klang kälter als Eis. >> Shinway betrügt man nicht.<<

Mit diesen Worten gab sie ihn frei und sie gingen wieder zurück zu den anderen. Ohne sich noch lange aufzuhalten fuhren sie los. Naruto und Morphy liefen vor dem Wagen, Sindea und Alatriel hinter ihm. Während sie da so hinter dem Wagen hergingen, merkten sie, dass die eisenbeschlagenen Räder und die Hufe des braunen Pferdes auf dem Pflasterstein einen ziemlichen Lärm machten, sie waren so laut, dass ein Gespräch wohl kaum möglich war. Auch kamen sie zu der Erkenntnis, dass sie keinen Plan hatten und dass Shinway, so wie sie aussah, es wohl mit zwei von ihnen auf einmal aufnehmen konnte. Shinway saß auf der hinteren Bank des Wagens, Eleonore vorne, sie lenkte das Pferd. Shinway warf immer wieder einen kontrollierenden Blick zurück auf Sindea und Alatriel. Als sie jedoch eine Weile nicht nach hinten gesehen hatte, versuchte Sindea, Alatriels Aufmerksamkeit zu erregen. Sie wedelte mit den Armen und winkte ihr zu, doch Alatriel bemerkte es nicht. Währenddessen wagte auch Naruto einen Versuch, sich seinen Gefährten mitzuteilen. Er las ein Stöckchen vom Boden auf und ritzte eine Botschaft in die morsche Rinde. Da er vor Sindea ging, steckte er das Stöckchen unauffällig wie es nur ein Ninja konnte in den Boden. Ein wenig zu unauffällig wie es schien, denn Sindea ging an dem Stöckchen vorbei, ohne es auch nur zu bemerken. Die holprige Straße machte eine Biegung, nun konnte man das Stadttor nicht mehr sehen. Naruto kam eine Idee. Er wollte in den Wald laufen und sich dort verstecken. Dann konnte er sie von hinten angreifen und sie überwältigen. Als Shinway gerade einen Blick nach hinten warf, lief er in atemberaubender Geschwindigkeit und aller Heimlichkeit davon. Weder Shinway noch Eleonore hatte es bemerkt.

Morphy sah darin seine Chance. Er machte auf der Stelle kehrt und stieg einfach so in den Wagen ein. Ohne Shinway zu Wort kommen zu lassen, begann er so gleich zu reden.

>> War es denn geplant, dass Naruto in den Wald läuft?<< fragte er unschuldig.

Shinway warf einen Blick nach vorne und war einen Moment völlig fassungslos. Ihre Augen weiteten sich und sie sah völlig geschockt aus. Morphy fragte sich, wieso sie das derart aus der Fassung brachte, ließ aber seine Chance nicht verstreichen. Er zog sein Schwert und versuchte sie mit einem gezielten Schlag auf den Kopf ohnmächtig zu schlagen, als sie sich auch schon wieder gesammelt hatte. Blitzschnell zog sie einen langen, dünnen Dolch aus seiner Scheide, an dem eine glänzende, dickflüssig grüne Substanz haftete. Der Dolch war vergiftet. Schon ein Kratzer könnte tödlich enden. Shinway war geschickt und wich dem Schlag aus. Sein Schwert sauste auf das Holz des Wagens nieder und schlug mit einem dumpfen Geräusch auf. Alatriel kam eine Idee. Sie rannte auf die Wagenhinterseite zu und rief laut.

>> Haltet euch die Augen zu!<<

Morphy tat wie ihm geheißen und Alatriel sandte einen Blitzt aus, der so hell leuchtete, dass alle im Umkreis für einige Minuten blind und taub wurden. Das Problem war nur leider, dass auch Shinway die Warnung gehört hatte. Sie hatte schnell genug reagiert und sich die Hände vor die Augen geschlagen. Sie hatte der Blitzt nicht getroffen, aber Eleonore sehr wohl. Alatriel hatte auf dem Wagen gehangen während sie den Blitzt ausgesandt hatte, jetzt sprang sie herunter und wollte schon einen Pfeil an die Sehne ihres Bogens legen, als sie mit ihren feinen Elbensinnen wahrnahm, dass das arme Pferd kurz davor war, durchzugehen. Es könnte für sie alle gefährlich werden, wenn der Wagen umfiele. Also rannte sie schnell nach vorne sprang neben Eleonore auf den Sitz und riss die Zügel an sich. Eleonore war gänzlich verwirrt und wimmerte kläglich. Das Pferd beruhigte sich langsam wieder und Morphy drohte keine Gefahr mehr, dass die Kutsche umfiele oder ähnliches. Naruto war immer noch irgendwo im Wald, doch Sindea war auf ein kleines Brett gesprungen, das an der Hinterwand des Wagens befestigt war, und zog jetzt an Shinways Haaren. Diese stach gerade mit ihrem dünnen Dolch auf Morphy ein und verfehlte, dank Sindea, nur Haarscharf seinen Hals. Sindea las derweilen Shinways Gedanken.

>> Nie wider! << hörte sie in ihrem Kopf hallen. >> Nie wieder werde ich mich derart betrügen lassen! Dafür werde ich sie alle umbringen! <<

Shinway riss ihren Kopf nach vorne, nahm es in Kauf dass ihr dafür riesige Büschel ihrer roten Locken ausgerissen wurden und stach zu. Diesmal traf sie Morphys Wange, eine böse Fleischwunde entstand in seinem Gesicht. Das Blut tropfte hellrot auf den hölzernen Boden des Wagens. Doch war es nur eine oberflächliche Wunde und das Blut der Norwolei das in ihm floss, vernichtete das Gift schnell. Er hatte Glück gehabt, doch würde es für die anderen nicht so glimpflich ausgehen, hätte Shinway sie erst einmal getroffen. Morphy schlug wieder mit der flachen Seite seines Schwertes auf sie ein, doch drehte sie ihren Kopf zur Seite und sah jetzt Sindea direkt in die Augen. Diese ergriff die Gelegenheit und ließ ihren Freundschaftszauber wirken. Es dauerte nicht lange und Shinway starrte sie mit großen Augen an. Der Zauber hatte gewirkt.

Morphy ergriff diese einmalige Gelegenheit und holte zum finalen Schlag aus...


WIRD FORTGESETZT!
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Judge Fredd
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Re: Abenteuerbericht einer talentierten Nachwuchsautorin und Rollenspielerin

Beitrag von Judge Fredd » Mo 31. Mai 2021, 22:43

Wow, sehr spannend geschrieben. Da ist ein echtes Talent am Werk. Die Geschichte muss unbedingt fortgesetzt werden.
Einfach toll, man fühlt sich richtig ins Abenteuer hinein versetzt.

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snotl
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Re: Abenteuerbericht einer talentierten Nachwuchsautorin und Rollenspielerin

Beitrag von snotl » Di 1. Jun 2021, 12:36

Das kommt gleich auf die Leseliste!
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